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07.06.2010 Ernst Sellin: Gedenken an den "Vater" der deutschsprachigen Biblischen Archäologie
Kategorie: Pressemeldungen
Zum Gedächtnis des weltweit in Fachkreisen geschätzten mecklenburgischen Bibelwissenschaftlers und Palästina-Archäologen Prof. Dr. Ernst Sellin (1867-1946) wird am 12. Juni 2010 um 11.30 Uhr am Geburtshaus Sellins, dem ehemaligen Pfarrhaus des Dorfes Alt-Schwerin bei Malchow, eine Gedenktafel enthüllt.
In dem Haus befindet sich heute ein Landhotel, das nicht nur bei der sorgsamen Restaurierung von Haus und Pfarrgarten, sondern auch durch die Namengebung „Altes Pfarrhaus“ den Charakter als ehemaliges Pfarrhaus zu bewahren sucht.
Am 26. Mai 1867 in Alt-Schwerin geboren, studierte Sellin Theologie und orientalische Sprachen in Rostock, Erlangen und Leipzig. Nach philosophischer und theologischer Promotion wurde er Professor in Wien, wechselte 1908 nach Rostock und 1913 nach Kiel. Auf kaiserlichen Erlass 1921 nach Berlin versetzt, lehrte er dort bis 1943.
Sellin arbeitete vielseitig bei der Erklärung des Alten Testaments, auf den Gebieten der Prophetie, der Einleitungswissenschaft und der Biblischen Theologie. Seinen internationalen Ruhm begründete aber seine Einsicht, dass die Bibel besser und tiefer verstanden und ausgelegt werde, wenn man den zeitgenössischen Lebenshintergrund der biblischen Autoren durch Erforschung des Landes der Bibel einbezieht. Schon zwei bis drei Jahrzehnte lang gab es seinerzeit archäologische Untersuchungen biblischer Stätten in Palästina durch englische und französische Forscher. Sellin wurde ab 1899 der „Vater“ der deutschsprachigen Palästina-Archäologie bis zum 2. Weltkrieg.
Sellin war begabt als Ideen- und Impulsgeber, auch als – heute würde man sagen – Einwerber von Drittmitteln für seine Ausgrabungen und als Wissenschafts-Organisator. Er war auf dem Gebiet der Palästina-Archäologie leistungsfähig in Kooperation mit Archäologen und Architekten, denn er war realistisch genug, sich nie als ausgebildeter Archäologe auszugeben.
Als Bibelausleger gehörte Sellin zu den ambivalentesten Forschern seiner Zeit. Häufig wechselnde Hypothesen zeugen von wissenschaftlicher Lebendigkeit und dem Bemühen um Aktualität. Seine bleibende Leistung bilden nicht seine sehr zahlreichen theologischen Publikationen. Aber er war unbestreitbar der Pionier der Palästina-Archäologe im deutschsprachigen Raum. Dafür wird er noch heute in Israel respektiert. Seine Ausgrabungen in Taanach (1902-1904), Jericho (1907-1909) und Sichem (zwischen 1913 und 1934) haben ihm Lob und Anerkennung eingebracht, besonders diejenige in Jericho.
Professor Dr. theol. habil. Hermann Michael Niemann
Theologische Fakultät, Universität Rostock
Lehrstuhl für Altes Testament und Biblische Archäologie
Schwaansche Str. 5 (Palais), D-18051 Rostock
Tel. +49-(0)381-498 8410/-00
Fax + 49-(0)381-498 8402
E-mail: hmn@uni-rostock.de
www.theologie.uni-rostock.de/Niemann/niemann.htm
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