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06.04.2011 Ganztagsschule und Islamunterricht

Kategorie: Startseite

Denkwerkstatt Demografie diskutierte Integrationsmodelle

Prof. Dr. Hans-Jürgen von Wensierski, Frau Prof. Dr. Gabriele Doblhammer-Reiter und Franz Müntefering, MdB

Schon heute hat etwa jeder fünfte Einwohner Deutschlands einen Migrationshintergrund. Der wachsende Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund rückt Fragen der Integration in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Interesses. Die öffentliche Diskussion um eine mangelnde Integrationsfähigkeit von Jugendlichen mit muslimischem Glauben hat erhebliche Defizite aufgedeckt – dies auf Seiten der Zuwanderer wie der Deutschen. Wie stellen sich die Lebenswelten junger Muslime in Deutschland dar? Worin liegen Ursachen für niedrige Bildungsabschlüsse, Marginalisierung und Gewaltbereitschaft? Wie können Bildungsangebote so adressiert werden, dass sie junge Menschen aus bildungsfernen Kreisen besser erreichen? Wie kann ein Abdriften in sozial und kulturell abgeschottete Milieus verhindert werden?
Diese und weitere Fragen standen am 05.04.2011 in Berlin im Mittelpunkt des zweiten Lunchtime-Talks der Veranstaltungsreihe Denkwerkstatt Demografie unter der Überschrift „Fremde Welten? Herausforderungen der gesellschaftlichen Integration deutscher und ausländischer Jugendlicher in der Bundesrepublik“. Es diskutierten Prof. Dr. Hans-Jürgen von Wensierski, Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft, Jugendbildung Erwachsenenbildung und Neue Medien an der Universität Rostock, und Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. in Hannover.

Prof. Hans-Jürgen von Wensierski macht zwar eine „selektive islamische Modernisierung“ unter jungen Muslimen in Deutschland aus, stellt aber auch fest, dass sich muslimische Jugendliche der zweiten und dritten Generation in den familiären Ablösungsprozessen, ihrer Sexualmoral von deutschen Altersgenossen deutlich unterscheiden. Bildungseinrichtungen werden ihrer Aufgabe, integrierend zu wirken, unzureichend gerecht, weil sie nur „schwerlich auf die Anforderungen eingehen, die aus kulturell-religiösen Unterschieden resultieren“. Prof. von Wensierski plädiert daher für „islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen“. Auch „Patenschaften durch Deutsche können dazu beitragen, identitätsstiftende Leitbilder und Bezugspersonen jenseits der Familie und eigenen ethnischen Gruppe zu etablieren“.

Prof. Christian Pfeiffer verweist auf ein Beispiel für bereits geglückte Integration, die der Aussiedler nach 1945. Die Schwierigkeit bei der Integration von muslimischen Jugendlichen beruht seiner Meinung nach darin, „dass sich beide Gruppen im Alltag gar nicht treffen oder treffen wollen“. Macho-Kultur und muslimische Religion als „Rückzugsort“ für alle jungen männlichen Muslime, denen die Anerkennung im Alltag versagt bliebe, erschwerten oft die Integration. „Oft ist mit dem Rückzug in die Religion auch eine höhere Neigung zu Gewalt verbunden – ein Kreislauf, den es zu durchbrechen gilt“, so Pfeiffer. Das größte Problem sieht Pfeiffer aber in der „geringen Bildungsbeteiligung“ junger Muslime. Die Bundesländer, in denen eine frühe Selektion der Kinder nach Schultyp vorgenommen wird, „bieten schlechtere Bildungschancen für Zuwandererkinder als ein Bildungssystem, in dem alle Schüler möglichst lange gemeinsam unterrichtet werden“. Aus diesem Grund gibt Pfeiffer ganz klar der Ganztagsschule den Vorzug.

Die Denkwerkstatt Demografie wird vom Department „Aging Science and Humanities“ der Universität Rostock, dem Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels, dem Max-Planck-Institut für demografische Forschung Rostock und Population Europe organisiert. Die Diskussionsreihe soll Experten aus Politik und Wissenschaft, aus zivilgesellschaftlichen Institutionen und den Medien einen Rahmen geben, um gesellschaftsrelevante Themen der Alternsforschung zu diskutieren und so die Debatte um Konsequenzen und Herausforderungen des Demografischen Wandels weiter beleben.
In den Monaten Mai und Juni 2011 werden die Veranstalter einen ausgewählten Personenkreis zu zwei weiteren Lunchtime-Talks einladen. Diese werden sich folgenden Themen widmen:
- Biologie und Demografie der Langlebigkeit.
- Gehen uns die Akademiker aus? Bildungspolitische Herausforderungen der alternden Gesellschaft.

Nähere Informationen zur Veranstaltungsreihe Denkwerkstatt Demografie finden Sie unter: www.rostockerzentrum.de/denkwerkstatt/flyer_denkwerkstatt.pdf.




Kontakt:
Max-Planck-Institut für Demografische Forschung
Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels
Gesche Rintelen
Telefon: +49 (0) 381 2081 180
E-Mail: rintelen(at)rostockerzentrum.de

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