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03.09.2012 Ich mag Technik, aber besonders liebe ich die Arbeit am Menschen

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Interview mit Prof. Steffen Mitzner (Leiter Abteilung Nephrologie und Dialyse)

Prof. Dr. Steffen Mitzner (Foto: Margit Wild)

Mit der Erfindung des Verfahrens MARS zur Blutreinigung außerhalb des Körpers bei Leberpatienten machte Professor Steffen Mitzner in den 90er Jahren Furore. Inzwischen leitet der 46-Jährige Professor die Abteilung Nephrologie und Dialyse an der Universitätsmedizin Rostock. Gemeinsam mit Professor Gustav Steinhoff und Dr. Wolfgang Ramlow organisiert er den internationalen Kongresses der Europäischen Gesellschaft für künstliche Organe (ESAO) vom 26. bis 29. September in Rostock.

Frage: Woran forschen Sie gerade?
Prof. Steffen  Mitzner: Die Leberdialyse wollen wir weiter verbessern, aber wir arbeiten auch an der Optimierung der Nierendialyse und entwickeln neue Behandlungsverfahren bei der Sepsis, also der Blutvergiftung. Da läuft eine Immunschlacht im Körper ab. Eine Krankheit, die viel zu sehr unterschätzt wird, aber eine hohe Sterblichkeit aufweist und viel Geld im Gesundheitswesen verschlingt. Mit einem biotechnologischen Blutreinigungsverfahren, das wie der Aufguss eines Teebeutels funktioniert, versuchen wir die schädlichen Substanzen abzusammeln und helfen den Abwehrzellen auf die Beine zu kommen. Wir haben das Verfahren bereits bei 20 Patienten angewendet und die Ergebnisse sind ermutigend.

Frage: Was macht besonders Spaß an der Arbeit?
Prof. Steffen Mitzner: Der intensive Patientenkontakt! Wir behandeln Menschen in besonderen Lebenssituationen, die entweder um den Erhalt ihrer Nierenfunktion oder gar um Leben oder Tod kämpfen, wenn ein Nierenversagen vorliegt. Das ist eine sehr intensive Erfahrung und kein tägliches Einerlei. Was ich in der klinischen Arbeit erlebe, kann ich in konkrete Forschungsaufgaben umsetzen.

Frage: Wie erleben Sie die Patienten?
Prof. Steffen Mitzner: Wir hatten einen 58-jährigen Rostocker, der hatte eine gemeine und seltene Autoimmunerkrankung. Er klagte über allgemeines Unwohlsein, Leistungsschwäche und dicke Füße. Es war nicht leicht, die Ursache für sein Nierenversagen herauszufinden. Wir haben ihn stabilisieren können und er ist weg von der Dialyse. Als ich ihn kürzlich auf der Straße traf, machte er nur die Daumen hoch. Das hat mich gefreut. Ich mag Technik, aber besonders liebe ich die Arbeit am Menschen.

Frage: Was wünschen Sie sich?
Prof. Steffen Mitzner: Ich wünsche mir mehr Zeit und dass ich weniger Schlaf brauche.  


Interview: Renate Heusch-Lahl


Infokasten: Hochkarätiger Mediziner-Kongress in Rostock

„Vom Ersatz zur Regeneration - von der Forschung in die Klinik“ lautet das Thema des 39. internationalen Kongresses der Europäischen Gesellschaft für künstliche Organe (ESAO) vom 26. bis 29. September in Rostock. Was erwartet uns nach 60 Jahren Dialyse und 40 Jahren Kunstherz und Herztransplantationen? Können nachwachsende Organe in den nächsten 20 Jahren Realität sein?  Rund 400 Experten aus Klinik, Forschung und Entwicklung aus der ganzen Welt werden erwartet, unter anderem aus Asien, Nord- und Südamerika und Europa. Jeden Kongresstag steht thematisch eines der drei Organe/Systeme: Herz, Leber und Niere im Mittelpunkt.  

Zum ersten Mal widmet sich der Kongress dem Thema Regeneration. Angewandt werden regenerative Verfahren beispielsweise bereits bei Patienten mit Herzinfarkt. Gereinigte, körpereigene Stammzellen werden dem Patienten transplantiert und helfen seinem geschädigten Organ bei dessen Regeneration. Neue Dialyseverfahren werden auch zur Leberregeneration angewendet.

Auch  Dialysepatienten bauen auf Konzepte zu regenerativen Verfahren bis hin zu nachwachsenden Organen. Aktuell müssen ca. 65.000  Patienten in Deutschland mittels Dialyse versorgt werden, 12.000 stehen auf der Warteliste für eine Transplantation. Nur 3.000 Patienten erhalten pro Jahr eine Nierentransplantation.




Kontakt:
Universität Rostock
Universitätsmedizin
Prof. Dr. Steffen Mitzner
Fon: +49 (0)381 494 7730
Mail: steffen.mitzner(at)med.uni-rostock.de

Presse+Kommunikation
Dr. Ulrich Vetter
Fon: +49 (0)381 498 1013
Mail: ulrich.vetter(at)uni-rostock.de

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