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24.06.2013 Trennungsväter – die unbekannten Wesen

Kategorie: Startseite

Uni Rostock erforscht Vater-Kind-Kontakt und betritt damit Neuland

Professorin Heike Trappe (l.) und Dr. Michaela Kreyenfeld erforschen Auswirkungen einer Trennung auf den Lebensverlauf von Müttern, Vätern und Kindern.

Professorin Heike Trappe (l.) und Dr. Michaela Kreyenfeld erforschen Auswirkungen einer Trennung auf den Lebensverlauf von Müttern, Vätern und Kindern. (Foto: IT- und Medienzentrum/Universität Rostock)

Jährlich erleben in Deutschland etwa 150.000 minderjährige Kinder die Scheidung ihrer Eltern. Dazu dürften noch einmal schätzungsweise 20.000 Kinder kommen, deren nicht verheiratete Eltern sich getrennt oder erst gar nicht zusammengelebt haben. Die Universität Rostock, das Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock (MPIDR) und das Deutsche Jugendinstitut in München organisieren am 4. und 5. Juli in Berlin eine internationale Tagung zu Auswirkungen einer Trennung auf den weiteren Lebensverlauf von Müttern, Vätern und Kindern („Life-Course Transitions after Separation: Stepfamilies, Lone and Non-Residential Parenthood“).

„Bislang kann in Deutschland niemand sagen, wie viele Kinder nicht mit ihren biologischen Eltern zusammen leben“, sagt die Soziologie-Professorin Heike Trappe von der Universität Rostock. „Auch wissenschaftliche Studien über die Situation getrennt lebender Väter, insbesondere ihre psychosozialen Belastungen gibt es in Deutschland kaum. Das ist beispielsweise in den USA oder Großbritannien ein großes Thema“, unterstreicht Dr. Michaela Kreyenfeld, Abteilungsleiterin am MPIDR in Rostock. Das Problem: Es fehlte bislang an Daten. So lassen sich beispielsweise auf Basis der amtlichen Statistik keine Trennungsväter ermitteln, da nur Informationen über die im Haushalt lebenden Kinder erhoben werden.

Die Rostocker Wissenschaftlerinnen arbeiten seit vier Jahren an der Erhebung und Aufbereitung eines Datensatzes, der hauptsächlich Lebensläufe junger ostdeutscher Frauen und Männer im Blickpunkt hat. Der Schwerpunkt eines neuen Forschungsprojekts ist die Lebenssituation von Trennungsvätern. „Wir wollen herausfinden, wie Trennungsväter leben, wie die Beziehung zu ihren Kindern gestaltet ist und was sie von anderen Vätern unterscheidet“, skizziert Michaela Kreyenfeld. Dabei geht es u. a. um die generelle Bestimmung ihres Anteils, darum welche Rolle das Unterhalts- und das neue Sorgerecht haben und wie sich diese Rahmenbedingungen auf den Kontakt zwischen Trennungsvätern und ihren Kindern auswirken. Zudem wird untersucht, ob und wann Trennungsväter neue Partnerschaften eingehen und wie sich der Vater-Kind-Kontakt mit zunehmendem Alter der Kinder verändert.

Dass das Thema auf breites Interesse stößt, haben die Organisatoren bereits bei der Planung der Tagung erfahren. „Wir haben deutliche mehr Vortragsangebote erhalten als wir in zwei Tagen unterbringen können. Wir haben daher eine zusätzliche Posterpräsentation eingerichtet, in denen die Forscherinnen und Forscher, die aus Deutschland, aber auch aus vielen anderen Ländern kommen, ihre Ergebnisse präsentieren können“, sagt Michaela Kreyenfeld.

Trennungsväter sind vor dem Hintergrund der sich verändernden Rolle des Vaters in der Gesellschaft zu einem sozialpolitisch relevanten Thema geworden. Die Rostocker Forscherinnen haben sich in ihrem Forschungsprojekt vor allem auf den Vater-Kind-Kontakt von Trennungsfamilien fokussiert. „Allgemein rücken Väter als Gruppe zurzeit stärker ins öffentliche Bewusstsein, zum einen weil sich die gesellschaftlichen Normen verändert haben und die Erwartung besteht, dass sich Väter stärker in der Kindererziehung engagieren. Zum anderen wollen Väter auch stärker am Leben ihrer Kinder teilhaben“, betont Heike Trappe. „Da Kinder nach der Trennung meist bei der Mutter wohnhaft bleiben, ist es nach der Trennung für Väter mitunter schwierig im Leben ihrer Kinder präsent zu sein“.

Ein Ergebnis ist, dass die Form des Sorgerechtes Auswirkungen auf die Kontakthäufigkeit mit dem getrennt lebenden Elternteil hat. Erkenntnisse zum Wohlbefinden der Kinder werden auf der Tagung in Berlin ebenfalls vorgestellt. „In anderen europäischen Ländern wie Belgien oder den Niederlanden wird bereits viel länger wissenschaftlich untersucht, welche Facetten es in Trennungs- und Stieffamilien gibt und welche Auswirkungen das auf die Kinder hat“, so Heike Trappe. Wie aufwendig es ist, solche komplexen Familienverhältnisse zu untersuchen, erleben die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Uni Rostock und des MPIDR bei ihren Forschungen zu diesem Thema. Die Tagung in Berlin wird, so die Hoffnung der Initiatorinnen, dabei helfen, diese Komplexität etwas besser zu verstehen.

Kontakt
Universität Rostock
Lehrstuhl für empirische Sozialforschung und Demographie
Prof. Dr. Heike Trappe
Fon: +49 381 498-4040
Mail: heike.trappe(at)uni-rostock.de

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