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03.11.2011 Uni Rostock erforscht Personalsituation im Mittelstand

Kategorie: Startseite

Ziel ist Weiterbildungsangebot für ältere Arbeitnehmer

Forschungsleiter Prof. Dr. Friedemann W. Nerdinger (mitte) mit den Projektmitarbeitern Susanne Curth und Christoph Müller

Für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) wird das strategische Personalmanagement in den nächsten Jahren zur Überlebensfrage. „Eine Welle älterer Arbeitnehmer rollt gerade auf den Mittelstand zu“,  weiß Professor Friedemann W. Nerdinger von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock. „Vielen Firmen fehlt aber eine Strategie für diese Situation“, sagt Prof. Nerdinger. Genau da setzt jetzt seine Forschung an.
Der Wissenschaftler  leitet  das im September gestartete mehrjährige Verbundprojekt „PerDemo – Personalarbeit im demografischen Wandel“. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Europäischen  Sozialfond gefördert.
Mit im Boot sind je eine Unternehmensberatung aus Neubrandenburg und Hamburg.  Die Herausforderung: Auf den demografischen  Wandel beschäftigungsorientiert zu reagieren, sprich ältere Arbeitnehmer länger im Produktionsprozess zu halten.  
„Der Bevölkerungsrückgang in MV ist immer noch stark – bis 2020 wird die Bevölkerung um 19% schrumpfen -, bis 2050 sollen hier 47 Prozent weniger Menschen leben“, sagt Prof. Nerdinger. In Schleswig-Holstein wird bis 2020 mit einem Bevölkerungsrückgang von 3 Prozent gerechnet, bis 2050 sollen hier 47 Prozent weniger Menschen leben“, betont Prof. Nerdinger. Für Hamburg  hingegen wird zunächst bis 2020 ein Arbeitskräftezuwachs prognostiziert.  Das soll sich bis 2050 allerdings umkehren.
In diesen drei Bundesländern untersuchen die Rostocker Forscher in den Branchen maritime Wirtschaft und Gesundheitswirtschaft, wie und ob es die Unternehmen schaffen, mit der einhergehenden alternden Belegschaft innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben.  „Ziel des Verbundprojektes ist es dann, betriebsspezifische Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote für kleine- und mittlere Unternehmen  zu erarbeiten“, hebt Prof. Nerdinger hervor.  Mit dem  Projekt PerDemo  werden für die Firmen  Bildungs- und Beratungsangebote  entwickelt.  Am Ende geht es darum, dass ältere Mitarbeiter besser in die Unternehmen integriert werden können.
„Solche Projekte können dem Mittelstand sehr dienlich sein“, meint  Wolfgang Hebig, Geschäftsführer der Rostocker Schiffsversorgung. Das Unternehmen ist weltweit tätig. Wer hier arbeitet, muss nicht nur technisch versiert sein, sondern auch die englische Sprache beherrschen.  Das Unternehmen hat 105 Beschäftigte. Auch hier steht ein Generationswechsel  an. Seit etwa zwei Jahren ist  Personalentwicklung verstärkt auf die Tagesordnung des Unternehmens gekommen. Das ist aber eher eine Ausnahme im Mittelstand.  
Die Uni Rostock nimmt zunächst Kontakt mit 500 Unternehmen in den drei Bundesländern auf. „Wir wollen eine Bestandsaufnahme zur Situation alternder Belegschaften machen“, sagt Projektmitarbeiter Christoph Müller. Seine Kollegin Susanne Curth verweist auf den zweiten Schritt. 50 Geschäftsführer bzw. Personalverantwortliche von Unternehmen sollen gewonnen werden, um dann von ihnen konkrete Probleme zur Personalsituation zu erfahren. Am Ende werden es sechs Unternehmen sein, für die die Universität Rostock ein passgenaues Weiterbildungsprojekt  schneidert und jede beteiligte Firma konkrete Hilfe  bekommt. „Das muss man sich so wie Coaching vorstellen“, sagt Prof. Nerdinger.  „ Ziel ist es,  Weiterbildungen für Ältere als ständiges Angebot  an der Universität  zu etablieren, damit der Mittelstand wettbewerbsfähig bleibt“.
Das ist für den Chef der Arbeitsagentur Rostock, Christoph Möller, „eine gute Sache. Die Herausforderung alternder Belegschaften entwickelt sich zunehmend zu einem entscheidenden Faktor strategischer Unternehmensführung“. Für Möller ist „Weiterbildung der Weg, um mittelfristig in Anbetracht des ausgehenden Nachwuchses wettbewerbsfähig zu bleiben“.  Der Rostocker Agenturchef sagt: „Insbesondere im Nordosten Deutschlands, in dem die demografische Entwicklung bereits deutlich spürbar ist, ist es ebenso lohnend wie unabdingbar, diese Frage wissenschaftlich anzugehen, kreative Lösungen zu entwickeln und in der Wirtschaft zu implementieren“.



Kontakt:
Universität Rostock
Lehrstuhl für Wirtschafts- und Organisationspsychologie
Prof. Dr. Friedemann W. Nerdinger
Tel.: +49 (0) 381 498 4566
E-Mail: friedemann.nerdinger(at)uni-rostock.de

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