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1755 bis 1790

Friedrich der Fromme (Büste)
Universitätsgebäude in Bützow

1760-1789
Herzog Friedrich (der Fromme), ein ausgesprochener Anhänger der Hallenser Pietisten, faßte den Plan, die Rostocker Theologische Fakultät als Pflanzschule für die Pfarrer des Landes im Sinne des Pietismus zu reformieren. Die Fakultät widersetzte sich diesem Bestreben, unterstützt von der gesamten Universität und vom Rat der Stadt.
Daraufhin erwirkte der Herzog am kaiserlichen Hof das Patent für eine neu zu gründende Universität mit vier Fakultäten, das am 3. Oktober 1758 erteilt wurde. Eine Aufhebung der Universität Rostock war darin aber nicht vorgesehen. Im Jahre 1760 wurden Rektor und Konzil der Universität und der Rat der Stadt über den Plan informiert, daß in Bützow eine neue Universität errichtet und die Rostocker Universität aufgehoben werden würde. Die fürstlichen Professoren wurden nach Bützow beordert, und die Weisung zur Schließung der Universität Rostock wurde erteilt.
Solange sich herzogliche Truppen in Rostock aufhielten, konnte das Vorhaben der Schließung gelingen. Als aber im Laufe des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) preußische Truppen nach Rostock kamen, war die Befehlsgewalt des Herzogs wirkungslos, die Universität Rostock blieb erhalten.
So bestanden in Mecklenburg zwei Universitäten nebeneinander, in Wirklichkeit nur vom Gegensatz zwischen Landesherrn und Stadt getragen. In Rostock setzte der Rat das in seinen Kräften Liegende ein, um den verbliebenen Teil der Universität zu beleben. Dem Herzog wiederum wurde von einer Kommission empfohlen, die Universität Bützow aufzuheben. Der Herzog verstarb am 24. April 1785, mit ihm verlor die "Friedrichs-Universität Bützow" ihre Stütze.

1788
Der Nachfolger von Herzog Friedrich, Friedrich Franz L, erstrebte eine Bereinigung des Verhältnisses zu Rostock. Der am 13. Mai 1788 abgeschlossene "Grundgesetzliche neue Erbvertrag" beendete den Kampf der Stadt gegen die Landeshoheit. Bei den vorbereitenden Beratungen zum Abschluß des neuen Erbvertrages war die Universität selbst nicht gehört worden, obwohl er auch die Universität betraf. So war darin vereinbart worden,
- daß die Universität Bützow nach Rostock zurückgeführt werden und die wiedervereinigte Universität in Rostock die einzige im Lande sein und bleiben,
- daß der Landesherr Patron und Kanzler der Universität sein,
- daß das Kompatronat der Stadt erhalten bleiben
- und daß die bisherige Teilung des Lehrkörpers aufgehoben werden solle.

1789
Der Lehrbetrieb in Rostock wurde am 28. April 1789 aufgenommen. Die für Zwecke der Landesregierung im Universitätsgebäude beanspruchten Räume wurden freigemacht. Für die im Weißen Kolleg untergebrachte Justizkanzlei mußte die Universität die Regentie in der Langen Straße hergeben, an deren Stelle später ein Neubau für das Oberlandesgericht Rostock aufgeführt wurde.
Die Amtszeit für Rektor und Dekane, bisher für ein Semester, wurde auf ein Jahr festgesetzt.
Am 4. Dezember 1789 ernannte der Herzog den an den Verhandlungen zur Zusammenführung beteiligten Kanzleidirektor Adolph Friedrich Loccenius zum ersten Vizekanzler (Kurator) der Universität, der als staatlicher Aufsichtsbeamter neben festgelegten Einzelaufgaben alle Vorgänge an der Universität zu kontrollieren hatte.
Loccenius war mit Eifer, aber mit weniger Erfolg um Erfüllung seines Auftrages bemüht. Als er am 2. Juli 1793 verstarb, wurde ein Nachfolger nicht bestimmt.


1789/90
Das beim Stadtbrand im Jahre 1677 zerstörte Gebäude der Juristen-Fakultät am Alten Markt wurde für die Medizinische Fakultät als Anatomisches Institut ausgebaut. Damit erhielt die Fakultät am 3.11.1790 ein erstes eigenes Gebäude.

1790
Franz Christian Lorenz Karsten, Professor der Ökonomie (Landwirtschaft, in Bützow 1775-1789, in Rostock 1789- 1828) war einer der ersten in Deutschland, der landwirtschaftliche Vorlesungen hielt. Er richtete eine kleine landwirtschaftliche Versuchsstation zur praktischen Ausbildung der Studenten ein. Finanzielle Unterstützung durch das Land und durch die Universität blieb jedoch aus.

1790

Gründung des Theologisch-Pädagogischen Seminars

Quelle: 575 Jahre Universität Rostock. Mögen viele Lehrmeinungen um die eine Wahrheit ringen. Rostock 1994, S. 331-332.

Weiterführende Literatur:

Asche, Matthias: Die mecklenburgische Hochschule Bützow (1760-1789) - nur ein Kuriosum der deutschen Universitätsgeschichte? Versuch einer historischen Neubewertung. In: Jahrbuch für Universitätsgeschichte, Bd. 9 (2006), S. 133-147.

Camenz, Günter: Zur Geschichte der Universität "Fridericiana" in Bützow 1760-1789. Bützow 1999.

Hölscher, Uvo: Urkundliche Geschichte der Friedrichs-Universität Bützow. In: Mecklenburgische Jahrbücher, Bd. 50 (1885), S. 1-110.

Velthusen, Johann Kaspar: Nachricht von der Stiftung eines Herzoglichen pädagogisch theologischen Seminariums auf der Universität Rostock. Rostock 1790.

Wegner, Christoph: Franz Christian Lorenz Karsten. Eine kritische Biographie. In: Buchsteiner, Martin (Hg.): Zur Entstehung der Agrarwissenschaft. Beiträge zu Leben und Werk von Franz Christian Lorenz Karsten und Johann Nepomuk Hubert (von) Schwerz. Norderstedt 2010, S. 55-111.

Wegner, Richard N.: Zur Geschichte der anatomischen Forschung an der Universität Rostock. Wiesbaden 1917.


1790 bis 1818

ehemaliges Anatomisches Institut am Alten Markt

Um 1800
Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreiche deutsche Universitäten schließen mußten, blieb die Universität Rostock zwar erhalten, hatte aber um ihre Existenz zu ringen.


1800
Gesellen-Unruhen in Rostock in den Jahren 1791-1795 konnten nur mit militärischer Hilfe niedergeschlagen werden, es kam im Jahre 1800 zur sogenannten "Butterrevolution". Der Rat der Stadt erbat Hilfe durch die Universität, Studenten wurden zur Wiederherstellung der Ordnung eingesetzt. Zugleich stellte die Universität das "Auditorium Magnum" auf dem Universitätsplatz für die Unterbringung von über 100 Inhaftierten bereit. Nach Freiwerden schlug die Universität vor, das baufällig gewordene Gebäude abzubrechen.

1806
Die Napoleonischen Kriege lenkten die Aufmerksamkeit in andere Bahnen. Französische Truppen besetzten 1806 das ganze Land. Die Universität mußte der Französischen Besatzung das Anatomische Institut am Alten Markt, ebenso auch das Auditorium Magnum zuerst als Lazarett, später als Rekrutendepot genutzt, zur Verfügung stellen.

1812
Im Jahre 1812 wurde dann auch das Konviktoriengebäude im Johannis-Kloster für Lazarettzwecke beschlagnahmt. Nach der Niederlage in Rußland zogen sich die französischen Truppen zurück, russische Truppen besetzten Mecklenburg. Der Herzog hob die napoleonische Kontinentalsperre auf und gab seine Lösung vom Rheinbund bekannt. Studenten meldeten sich als Freiwillige, an der Universität wurde der Vorlesungsbetrieb unterbrochen.

1813
Nach der Niederlage Napoleons bei Leipzig (16.10.1813) konnte die Universität sich wieder ruhiger Arbeit zuwenden.

1815
Während der Befreiungskriege war bei den Studierenden der Gedanke der deutschen Einheit wach geworden. Es entstand 1815 in Jena eine einheitliche Burschenschaft, der sich in Rostock die 1812 gegründete "Rostochia" anschloß. Durch die Aktivitäten der Burschenschaft wurden die Regierungen der Länder des entstandenen "Deutschen Bundes" auf sie aufmerksam und auf die "Anzeichen drohender Revolution" hingewiesen.

1818
Das von den napoleonischen Truppen als Lazarett in Anspruch genommene Gebäude des Anatomischen Instituts am Alten Markt konnte nach notwendiger Reparatur erst im Jahre 1818 wieder in Betrieb genommen und den Studenten der Medizin damit eine praktische Ausbildung zuteil werden.

Quelle: 575 Jahre Universität Rostock. Mögen viele Lehrmeinungen um die eine Wahrheit ringen. Rostock 1994, S. 333-334.

Weiterführende Literatur:

Höffer, Volker: Das studentische Verbindungswesen an der Universität Rostock vom Ausgang des 18. Jahrhunderts bis zum Vorabend der bürgerlich-demokratischen Revolution in Deutschland. Rostock 1987.

Hoppe, Klaus-Dieter; Nenz, Cornelia; Weiß, Detlef (Hg.): Franzosenzeit in Mecklenburg. Begleitkatalog zur ständigen Ausstellung "Franzosenzeit in Mecklenburg" des Fritz-Reuter-Literaturmuseums im Gewölbe des Stavenhagener Schlosses. Rostock 2007.

Manke, Matthias; Münch, Ernst (Hg.): Unter Napoleons Adler. Mecklenburg in der Franzosenzeit. Lübeck 2009.

Reincke-Bloch, Hermann: Mecklenburg zu Beginn der Freiheitskriege. Rede gehalten in der Aula der Universität am 28. Februar 1913 bei der akademischen Feier zur Erinnerung an die Befreiungskriege. Rostock 1913.

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