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17.11.2011 "Der Begriff der Ganzheit bei Moritz Schlick und heute"
Category: Philosophische Fakultät
11. Moritz-Schlick-Vorlesung am 24. November
Die Moritz-Schlick-Forschungsstelle der Universität Rostock und die Akademie der Wissenschaften in Hamburg laden gemeinsam mit dem Zentrum für Logik, Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte zur 11. Moritz-Schlick-Vorlesung an der Universität Rostock ein.
Diese findet statt am Donnerstag, den 24. November 2011, um 18:00 Uhr, im Universitätsgebäude Parkstraße 6 (2. OG, links) Hörsaal 3.
Es spricht Prof. Dr. Niko Strobach (Westfälische Wilhelms-Universität Münster zum Thema: "Der Begriff der Ganzheit bei Moritz Schlick und heute"
In zwei kurzen Texten aus den Jahren 1935 und 1936 beschäftigte sich Moritz Schlick mit dem Begriff der Ganzheit. Sie fassten noch einmal wie in einem Brennglas sein Werk und die Arbeit des Wiener Kreises zusammen, und dies am Beispiel einer altehrwürdigen philosophischen Frage: Was ist die Beziehung einer Ganzheit zu ihren Teilen? Schlick zeigte vorbildlich, dass Begriffsklärung nötig ist, um dieser Frage überhaupt Sinn abzugewinnen. So machte er deutlich, dass im – fälschlich immer wieder dem Aristoteles zugeschriebenen – Slogan »Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile« ganz unklar ist, was »Summe« heißt. In Abgrenzung von seinen liebsten Feinden, den Vitalisten, und im Ausgang von den Einsichten seiner liebsten Alliierten, den Gestaltpsychologen, zeigte er, dass sich die Mühe der Begriffsklärung lohnt. Denn Schlicks Analyse führte zu der substanziellen These eines Aspekt-Dualismus von Teil und Ganzheit. Letztlich geht es um zwei unterschiedliche und gleich berechtigte Beschreibungsweisen desselben, zwei Arten des Blicks auf dasselbe.
Im Rückblick finden sich in Schlicks Problemdiagnose Beschreibungen so gut wie aller Probleme, welche die Ontologie im Hinblick auf Ganzheiten und ihre Teile noch heute beschäftigen. Schlicks Beschreibungen sind erfrischend unbelastet von fachsprachlicher Routine, so dass sie das Wesentliche der Probleme wieder sehen lassen. Noch nicht kennen konnte Schlick die zu seinen Lebzeiten gerade erst in Polen entstehende formale Logik von Teil und Ganzem, die Mereologie. Sie klärt in für die Ontologie maßgeblichem Sinne den Begriff der Summe, und zwar mit dem überraschenden Ergebnis, dass das Ganze mit der Summe seiner echten Teile identisch ist.
Sind damit die Probleme gelöst? Mitnichten. Man wird erst recht darauf aufmerksam, worin sie bestehen und wie viele es sind. Schon Schlick sah, wie es angemessen ist, dass sich von der Mikrophysik über die Biologie bis ins politisch bedeutende Feld der Sozialontologie Fragen der gleichen Struktur stellen. Die Palette der gegenwärtig vertretenen Positionen ist verwirrend vielfarbig: Gibt es überhaupt keine Ganzheiten (Eliminativismus)? Nichts außer Mikro-Partikeln und Lebewesen, aber (z.B.) keine Körperteile (van Inwagen)? Oder sind Ganzheiten Arrangements von Teilen (John Heil)? Wird alle kausale Arbeit auf der Partikel-Ebene getan (Kim)? Oder gibt es gar keine Partikel, sondern alles ist »turtles all the way down« (Ladyman)?
Schlicks Optimismus der prinzipiellen Übersetzbarkeit einer der beiden Sichtweisen in die jeweils andere teilt man heute nicht mehr. Aber seine Bemerkungen zum Reduktionismus-Problem, zum Problem der Emergenz und der Plural-Quantifikation sind noch immer höchst wertvoll, ja im Rückblick für eine neue Metaphysik geradezu visionär. Sein Lösungsvorschlag ist systematisch auch heute beachtlich. Das soll diese Vorlesung im Einzelnen zeigen.
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