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02.07.2013 Nach der Flut

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Rostocker Forscher fordern Entsiegelung und Schutz der Böden

Professor Bernd Lennartz (r.) und Professor Peter Leinweber begutachten am Bildschirm ein Bodenbeispiel, das die Erosion von Böden zeigt.

Professor Bernd Lennartz (r.) und Professor Peter Leinweber begutachten am Bildschirm ein Bodenbeispiel, das die Erosion von Böden zeigt.

Das Bild zeigt, welche Belastung für die Böden durch Bearbeitung mit schwerem Gerät und zum falschen Zeitpunkt (hohe Bodenwassergehalte) entsteht. In der Folge kann das Niederschlagswasser nicht infiltrieren. Der Pflanzenbestand wird durch Erosion geschädigt.

Das Bild zeigt, welche Belastung für die Böden durch Bearbeitung mit schwerem Gerät und zum falschen Zeitpunkt (hohe Bodenwassergehalte) entsteht. In der Folge kann das Niederschlagswasser nicht infiltrieren. Der Pflanzenbestand wird durch Erosion geschädigt.

Jedes Jahr gehen in Deutschland rund 35.000 Hektar fruchtbares Ackerland verloren. Schuld ist vor allem die Versiegelung durch Siedlung und Verkehr. Die Umweltexperten der Universität Rostock, Professor Peter Leinweber und Professor Bernd Lennartz, fordern unisono ein Umdenken. „Die Ampel steht auf Rot“. Ein Aktionsplan müsse mehr Schutz und nachhaltige Bewirtschaftung der Böden sichern. Derzeit werden in Deutschland täglich etwa 90 Hektar Fläche versiegelt. Das Nachhaltigkeitsziel der Bundesregierung sieht aber nur 30 Hektar zur Umwidmung von Böden in versiegelte Flächen vor, sagt Prof. Leinweber. „Die Bodenversiegelung betrifft häufig fruchtbares Agrarland, das aber gefährdet die biologische Vielfalt, erhöht die Gefahr von Überschwemmungen und trägt zur globalen Erwärmung bei“, warnt der Experte. „Nicht nur Tiere und Klima brauchen Schutz, sondern auch unsere Ackerböden“. Diese Thematik wird auf der Jahrestagung der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft im September in Rostock unter dem Motto „Böden - Lebensgrundlage und Verantwortung“ intensiv diskutiert werden. Vizepräsident der Gesellschaft ist der Rostocker Professor Leinweber.

Doch es gibt neben der zunehmenden Versiegelung von Böden ein weiteres großes Problem:  Besonders auch in Mecklenburg-Vorpommern sehen die Wissenschaftler in der sich verstärkenden Verdichtung und Erosion von Ackerböden eine Zeitbombe. „Wenn zum Beispiel schwere Erntemaschinen bei ungünstigen Bodenwasserverhältnissen über die Felder fahren, wird der Boden in unteren Schichten nachhaltig verdichtet“, sagt Professor Lennartz.  Als Obmann des Fachauschusses ‘Bodenschutz’ der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall hat er die Politik auf dieses Problem bereits aufmerksam gemacht. Betroffen sind vor allem die lehmigen Böden. „Dieses Jahr hatten wir im Frühjahr (noch Ende Mai) eine hohe Bodenfeuchte wie seit 50 Jahren nicht mehr“. Der Boden war mit Wasser gesättigt und als in drei Tagen Niederschläge von 200 Millimetern fielen, war das eine besondere Ausgangssituation für die Flut-Katastrophe“.  Prof. Leinweber verweist auf die Schäden für die Landwirtschaft: In den Fahrspuren auf den Äckern, besonders auch in MV, schoss das Wasser bergab, Pflanzen wurden verschüttet und Bestände geschädigt. „Den Böden werden Nährstoffe entzogen und die Erträge sinken“, beschreibt Prof. Leinweber die Folgen der Erosion. Der Abtrag von Boden durch Wind und Wasser ist ein natürlicher Vorgang, der jedoch durch die Landwirtschaft stark beschleunigt wird - heute ist der Mensch für 60 bis 80 Prozent der Bodenerosion verantwortlich, die auf über 25 Milliarden Tonnen pro Jahr weltweit geschätzt wird. Wo die Erosion besonders stark ist, kann sie schließlich dazu führen, dass ganze Regionen für die Landwirtschaft verloren gehen, warnen die Experten.

„So sichtbar wie in diesem Jahr waren die Schäden noch nie“. Der Landwirtschaftsminister von MV, Till Backhaus (SPD), will mit geeigneten Maßnahmen etwas gegen die Bodenerosion tun.  Im Zusammenhang mit Folgen der immer häufiger auftretenden Fluten bearbeiten die Rostocker Umweltforscher ein Projekt, das die Verringerung von Schadstoffbelastung in potenziellen Überschwemmungsgebieten zum Ziel hat. Ein Vorschlag: Die Sanierung von Schadstoff-belasteten Flächen ist durch das Anpflanzen von schnellwachsenden Baumarten möglich, die später energetisch genutzt werden können. „Es gibt keine einfache Lösung, um die Gefahr einer Flut zu vermeiden“, sind sich die Rostocker Forscher einig. Sie verweisen auf drei Jahrhunderthochwasser in den letzten 15 Jahren 1997 (Oder), 2002 (Elbe) und 2013 (Elbe). Als eine Konsequenz fordern sie, den Flüssen mehr Raum zu geben. Darüber wird es auf der Jahrestagung der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft im September in Rostock Fachdiskussionen mit Experten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum geben. Eine Möglichkeit sehen die

Rostocker Wissenschaftler in dem Schaffen geregelter Überschwemmungsflächen. In diesem Zusammenhang regen die Umweltexperten der Uni Rostock an, Deiche zurück zu versetzen, damit der Fluss mehr Überschwemmungsfläche hat. Aber auch Entsiegelung und Schutz der Böden können einen bedeutsamen Beitrag zum Hochwasserschutz leisten. „Wir brauchen ein länderübergreifenden Hochwasserschutz und den gesellschaftspolitischen Willen, nachhaltige Schutzmaßnahmen zu ergreifen“, raten die beiden Wissenschaftler. (Text: Wolfgang Thiel)

Kontakt:
Universität Rostock
Agrar-und Umweltwissenschaftliche Fakultät
Prof. Dr. Bernd Lennartz
Fon: +49 381 498-3180
Mail: bernd.lennartz @uni-rostock.de

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