Eva-Verena Müller

Als Quereinsteigerin zum Umweltschutz

Mein Erststudium der darstellenden Kunst habe ich 2003 mit dem Diplom im Fach Schauspiel absolviert. Als Schauspielerin habe ich die grundsätzlichen Aufnahmeanforderungen zum Fernstudiengang Umweltschutz nicht erfüllt. Mein persönliches Engagement im Bereich des Umweltschutzes ist allerdings seit jeher groß, sodass ich auf einigen Gebieten, zum Beispiel in der ökologischen Landwirtschaft, autodidaktische Erfahrungen gesammelt hatte, die neben dem Erwerb einiger Grund- kenntnisse vor allem eine hohe Motivation für deren Vertiefung mit sich brachten.

Die Orientierung auf die interdisziplinären Themengebiete ökologischer Funktionszusammenhänge, auf das Erforschen, Begreifen und vor allem den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, lief zunehmend auf eine berufliche Umorientierung hinaus, die auf die wissenschaftliche Durchdringung dieses Fachgebietes, besonders im Hinblick auf die praktische Umsetzung, gerichtet war. Hauptanliegen für eine grundlegende berufliche Neuausrichtung war die Erkenntnis, bei den anstehenden Herausforderungen der Bewahrung unserer Umwelt aktiv mitwirken zu wollen.

Meine Recherche im Internet ergab, dass in Rostock Umweltschutz als Fernstudiengang angeboten wird, der eine individuelle Abstimmung mit beruflichen Arbeitszeiten ermöglicht. Glücklicherweise wurde mir trotz der fehlenden Aufnahme- anforderungen die Teilnahme am ersten Modul, und nach Bewältigung der ersten Modulprüfung auch die Aufnahme zum Studium gewährt.

Zu Beginn des Studiums musste ich mich zusätzlich zum abgefragten Stoff auch erstmalig mit den grundsätzlichen Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens vertraut machen, sodass ich die vorgesehenen Wochenarbeitszeiten deutlich überschritt. Einzig die im Studienkonzept umgesetzte Möglichkeit, Lernplan und Lernpensum stark individuell und mit hoher Flexibilität auf die gegebenen Umstände anzupassen, hat mir ermöglicht, auch Stoßzeiten der beruflichen Beanspruchung mit dem Studieren zu vereinbaren. So kam es im Verlauf relativ selten zu Kollisionen zwischen Beruf und Studium. Zu Beginn stellten die Beschaffung geeigneter Fachliteratur sowie der mangelnde Austausch mit Kommilitonen und Professoren die größten Hürden dar, bis ich schließlich auch die Vorzüge des selbstständigen Arbeitens als Selbstbefähigung und Vorbereitung auf die weiteren beruflichen Herausforderungen zu schätzen lernte. Das hohe Maß an Eigenständigkeit, das dem Fernstudierenden abverlangt wird, setzt zuweilen kreatives Potential frei, sich in der eigenen Umgebung unterstützende Kontakte zu suchen und so auch das berufliche Umfeld näher kennenzulernen.

Als durchweg positiv habe ich die Hilfsbereitschaft und das Engagement des Studienteams sowie aller am Studiengang beteiligten Dozenten und Professoren erlebt. Ein starkes Bemühen um kontinuierliche Weiterentwicklung und Aktualität, das Aufgreifen praktischer Anregungen und die Bereitschaft, auf Einzelumstände der Studierenden durch individuelle Lösungen einzugehen, zeichnen Studiengang und Studienteam aus. Ein besonderes Erlebnis war das Präsenzwochenende auf Zingst, bei dem neben praktischen Übungen vor allem der Austausch mit den Kommilitonen sehr intensiv gepflegt werden konnte. Nach den vielen Wochen und Monaten der einsamen Beschäftigung, war der Austausch nicht nur über Fachfragen, sondern auch über die besondere Situation des Fernstudierens mit Mitstreitern von hohem Wert.

Während der Abschlussphase zeigte sich in der großen Bereitschaft der Universität Trier, mich als Masterstudentin einer weitentfernten Universität zu unterstützen, der offene Geist wissenschaftlicher Forschung und Zusammenarbeit. Gleichwohl gelten auf dem Arbeitsmarkt andere Gesetzmäßigkeiten. Ich fühle mich durch das Studium den Anforderungen entsprechender Stellenangebote gewachsen, habe ich einerseits ein fundiertes theoretisches Wissen erworben, andererseits die Fähigkeit ausgebaut, mich selbstständig in unterschiedliche Themengebiete einzuarbeiten. Nun gilt es, mit den erworbenen Qualifikationen einen Arbeitsplatz zu finden. Um das Studium zu bewältigen und über den gesamten Zeitraum mit dem Alltag zu vereinen, sind gleichermaßen Zielstrebigkeit und Flexibilität, Selbstständigkeit und Leidenschaft für die Sache gefordert.

Die zugrundeliegende Motivation für das Studium mag in der Einsicht liegen, sei sie persönlich oder im Kontext der globalen Krise, dass eine Notwendigkeit besteht, das eigene Leben zu ändern – ein Imperativ, der durch alle Indikative hindurchwirkt.

Um es mit den Worten eines bekannten Philosophen zu sagen: „Der Mensch kommt nur voran, solange er sich am Unmöglichen orientiert“ (SLOTERDIJK).