Heike Robakowski

Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen… (Hermann Hesse)

Nach meinem ingenieurwissenschaftlichen Erststudium an der Berufsakademie Karlsruhe in der Fachrichtung Umwelt- und Strahlenschutz habe ich mehr als 10 Jahre im Bereich Gewässerschutz an der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz gearbeitet. Die LUBW ist das Kompetenzzentrum des Landes Baden-Württemberg in allen Fragen des Umwelt- und Naturschutzes. Es ist eine spannende und herausfordernde Tätigkeit, gemeinsam mit Fachleuten unterschiedlicher Fachgebiete an der Lösung der wachsenden und komplexen Umweltprobleme zu arbeiten. Nach der Zeit des Berufseinstieges und der fachlichen Konsolidierung war für mich ein Masterstudium die Chance, mich weiter zu entwickeln und meinen beruflichen Horizont zu erweitern.

Zum ersten Mal habe ich vom Masterstudiengang Umweltschutz gehört, als eine Studierende der Universität Rostock bei mir in der LUBW Untersuchungsdaten für eine Einsendeaufgabe anfragte. Neugierig geworden, habe ich mich ein ganzes Jahr über die Fernstudienmöglichkeiten im Umweltbereich in Deutschland informiert (u. a. an den Universitäten in Köln, Hannover, Weimar, Koblenz-Landau und Hagen). Trotz der weiten Anreise von Karlsruhe nach Rostock war der Schnupperstudientag ausschlaggebend für die Entscheidung für die Universität Rostock: die Studieninhalte passten sehr gut zum meinem Tätigkeitsbereich, die Studiendauer war mit zwei Jahren überschaubar, das modulare Konzept und die verschiedenen Lernformen kamen mir entgegen und sowohl Dozenten als auch Studierende wirkten sehr engagiert. Meine Hauptmotivation war die Ergänzung des technisch geprägten Erststudiums um die ökosystemaren Fächer und das Erreichen eines höherqualifizierenden Masterabschlusses. Da sich der Umweltbereich in den letzten 20 Jahren stark entwickelt hat, war ich auch neugierig auf die neuen Themen wie Nachhaltigkeit und Biodiversität.

Die Hauptaufgabe in den ersten Wochen des berufsbegleitenden Fernstudiums war neben der Studienorganisation vor allem die Abstimmung zwischen Beruf und Studium sowie das Hereinfinden in den erforderlichen Lernrhythmus. Die Einrichtung eines Arbeitsplatzes zu Hause mit Laptop, schnellem Internet und dem Zugang zur Bibliothek war schnell erledigt, aber die detaillierte Zeitplanung, welche Vollzeitjob, Fernstudium, Familie und Privatleben unter einen Hut bringen sollte, war eine echte Herausforderung. Das Studium füllte praktisch die gesamte Freizeit aus. Lange Abende am PC wurden zur Gewohnheit. Für Freunde war plötzlich nur noch wenig Zeit. Hilfreich waren die langfristig bekannten und verlässlichen Termine der Universität, die mit Präsenz-, Prüfungs- und Abgabetermine jedes Modul klar strukturierten und das Wissen, dass nach zwei Jahren alles vorbei ist. Besonders schwierig war der dicht gedrängte Studienablauf, der einerseits die kurze Studiendauer ermöglicht hat, aber keine längeren (Urlaubs-) Pausen vorsieht. Nach den Modulprüfungen warteten sofort die neuen Studienunterlagen für das nächste Modul. Besonders stressig waren die Zeiten, in denen hohe Arbeitsbelastungen im Job mit Prüfungsvorbereitungen und den Abgabeterminen von Einsendeaufgaben und Hausarbeiten zusammenfielen. Wochenarbeits-zeiten von insgesamt 65 bis 75 Stunden waren kräftezehrend und phasenweise auch grenzwertig. Trotz umfangreicher naturwissenschaftlicher Vorkenntnisse habe ich für das Fernstudium insgesamt 2.000 Stunden Freizeit aufgewendet, das sind durchschnittlich mehr als 20 Stunden pro Woche (3 h an Arbeitstagen, den Rest am Wochenende). Der Spruch: „Du weißt, dass du im Fernstudenten-Leben angekommen bist, wenn du dich auf deinen Urlaub freust, weil du dann endlich in Ruhe lernen kannst“, trifft die Situation sehr gut!

Als besonders wertvoll sind mir die Präsenzphasen mit Vorlesungen, Exkursionen, Diskussionen, Austausch und studentischem Leben in Erinnerung geblieben. Ich wollte wegen des hohen zeitlichen und finanziellen Aufwandes ursprünglich nur zu den drei Pflichtpräsenzen anreisen, habe aber tatsächlich alle wahrgenommen. Der persönliche Kontakt ist einfach nicht zu ersetzen. Es hat auch gut getan, sich auszutauschen und zu ermutigen, vor allem in Prüfungszeiten und den schwierigen motivationslosen oder stressigen Phasen, die jeder erlebt hat. Ich denke auch gern an die gemeinsamen Prüfungsvorbereitungen zurück, bei der wir uns gegenseitig kniffelige Fragen zugemailt und beantwortet haben.

Unmittelbar nach dem sehr erfolgreichen Studienabschluss habe ich innerhalb der LUBW eine Teamleiterposition übernommen - eine herausfordernde Aufgabe, bei der neben breit gefächertem Fachwissen vor allem die Softskills gefragt sind, die jeder Fernstudent trainiert: vernetztes und fachübergreifendes Denken, Organisations- und Kommunikationsfähigkeit, Belastbarkeit und Stressresistenz.

Insgesamt ziehe ich eine durchweg positive Bilanz und bereue es nicht, soviel Engagement, Zeit und Geld in das Fernstudium gesteckt zu haben. Ich kann das Masterstudium an der Universität Rostock nur empfehlen und möchte aus eigener Erfahrung Studieninteressenten weitergeben: suchen Sie sich den Studiengang, der am besten zu Ihren Vorkenntnissen und beruflichen Zielen passt; nehmen Sie jede Unterstützung im beruflichen, privaten und studentischen Umfeld an, die Sie bekommen können; legen Sie das Studium möglichst nicht in eine stressige Lebensphase wie Stellenwechsel oder Hausbau und machen Sie sich Ihre Ziele und Ihre Motivation immer wieder klar bewusst. Dann wird auch das Unmögliche möglich!

Absolventin des berufsbegleitenden Masterstudiengangs Umweltschutz 2012, Teamleiterin im Bereich Messnetzbetrieb, zentrale Logistik in der LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg