Kai Drasdo

„Etwas kennen, um es zu schätzen, etwas schätzen, um es zu schützen.“

Im Erststudium wurde mir in der Einleitungsveranstaltung suggeriert: „Mehr als ein Bauingenieur kann man nicht werden.“, beinhaltet diese Fachrichtung doch eine Vielzahl von Wissensgebieten und Verknüpfungen zu anderen Zweigen. Jedoch wurde mir während meines Berufsweges als Ingenieur bewusst, dass es oft nicht ausreicht, zu wissen „WIE“ man mit den Werkstoffen, Werkzeugen, Daten, Formeln, Rechenverfahren, etc. umgeht und dass ich mit diesem Wissen allein nicht auskommen werde. Allzu oft lag es nahe, die Ursachen zu hinterfragen und den Fakten auf den Grund zu gehen. Die Erforschung des „WARUM“ kann dabei viele und oft auch die wesentlichen Hintergründe darlegen. Mir wurde beigebracht, dass wenn man etwas verstanden hat, man es sich auch leichter merkt. Die Neugier war also der wesentliche Grund, erneut ein Studium, nun im Bereich der Umweltwissenschaft, wahrzunehmen und Antworten auf die auftauchenden Fragestellungen zu finden. Weiterhin wollte ich mich nach der Konsolidierung meiner ersten Fachrichtung, mit einer gewissen inneren Ruhe aufgrund des Rückhaltes eines guten Jobs, weiterentwickeln und unter Ausnutzung von Synergien meinen Horizont erweitern.

Nach über einem halben Jahr Recherche, welche Institution und welches Fachgebiet aufgrund meiner Vorlieben und Bedürfnisse infrage kommen, erregte das Fernstudium an der Universität Rostock mein Interesse, da es genau meinen Vorstellungen entsprach. Das persönliche Gespräch vor Ort bestätigte meine ersten guten Eindrücke. Neben der gut dargestellten Betreuung und Organisation sowie dem Aufbau der Lerninhalte überzeugten weiterhin attraktive Studiengebühren, abwechslungsreiche Modulinhalte und eine relativ freie Gestaltung des Studienablaufes. Im Fachbereich „Umweltschutz“ habe ich in den einzelnen Studienmodulen Fächer gesichtet, welche relativ ausgewogen sowohl selbstständige Aneignung und Recherche von Wissen, aber auch logisches Verständnis forderten und vernetzte Gruppenarbeit für eine optimale Bewältigung der Lernziele voraussetzten.

Die zeitliche Anordnung der Präsenzphasen erlaubte mir, ungehindert meinen beruflichen Alltag fortzuführen. Die Vorlesungen und Exkursionen gaben Möglichkeiten, mit den Professoren und Dozenten auf Augenhöhe zu fachsimpeln und zu diskutieren. Angenehm war die Tatsache, dass durch ein breit gefächertes Spektrum an Berufen der eingeschriebenen Kommilitonen (Forstwirte, Lehrer, Bauingenieure, Physiker, Chemiker, Geologen, usw.) ein Fundus an Wissen aus vielen Perspektiven aufgenommen und auch von den Lehrkräften verarbeitet und vermittelt wurde. Ungewöhnlich, aber sehr vorteilhaft, waren die vielen Exkursionen, welche einen an Orte brachten bzw. Einblicke in Industriezweige/ Gebiete gaben, in welche man sonst nur schwerlich gelangen kann.

Klar ist, dass einem der Abschluss dieses Studiums nicht geschenkt wird.

Ein Modul besteht aus ca. 4-6 Fachdisziplinen/Themenkomplexen, welche dann alle in einer Klausur geprüft werden. Zunächst erschien mir dieses System als nicht repräsentativ, da man von 5 - 10 Fragen pro Fach sicherlich nicht den Überblick über den erlernten Stoff abfragen kann. Vorteilhaft ist jedoch, dass man somit Fächer, die einem weniger liegen, mit Punkten aus Parade-Fächern ausgleichen kann. Hier wurde ein guter Kompromiss gewählt, welcher die Anzahl der Prüfungstermine reduziert. Die Prüfungen, welche aus Verständnisfragen, Berechnungen oder Multiple-Choice bestehen, verlangen umfangreiches Wissen aus dem Lernstoff. Dieser erschließt sich nicht aus oberflächlicher Betrachtung, sondern erfordert intensive Beschäftigung mit den Inhalten.

Einen essentiellen Vorteil bei der Erschließung des Lehrinhaltes gab mir die schnell gegründete Lerngruppe aus zunächst 5 Mitgliedern. Die Teilfächer eines Moduls wurden so, je nach Vorkenntnissen und Wünschen, zur Ausarbeitung verteilt. Somit mussten nicht alle Skripte bis ins letzte Detail eigens tiefgründig studiert werden. Der Austausch erfolgte an Abenden der Präsenzphase gemütlich im Lokal oder im Hostel. Schnell sprach sich die Methodik, die Erleichterung und der Erfolg herum, so dass sich am Ende des Studiums fast alle der Studenten an einer dann eingerichteten Lern- und Austauschplattform beteiligten.

Zwei Dinge möchte ich hier besonders hervorheben. Zum einen das Engagement einiger Professoren, welche Ihren Versprechen zur Beantwortung von offenen Fragen nachkamen. So beantwortete mir doch ein Professor tatsächlich meine Fragen aus seinem Urlaub aus Übersee. Vielen Dank hierfür. Die zweite Sache, die ich nicht vergessen werde, war die Exkursion nach Waren an der Müritz. Mittendrin statt nur dabei – vermittelten mir die 3 Tage sehr intensive Erfahrungen durch Gruppenarbeit und Aha-Effekte, z.B. durch das Spiel einer Fischfang-Simulation.

Die Prüfungen alle erfolgreich gemeistert, legte ich vor der Abschlussarbeit eine kleine Ruhephase ein, um Kraft zu schöpfen. An dieser Stelle einen Dank an die Betreuer, welche beharrlich darauf drängten, die Prüfungen nach Möglichkeit innerhalb des Regelturnus zu absolvieren. Die Uni Rostock ermöglicht auch außerhalb eines eingeschriebenen Studiums die einzelnen Module zu bearbeiten und somit die Voraussetzungen für einen akademischen Abschluss zu schaffen. Nicht nur um den Geldbeutel zu schonen, empfehle ich jedoch das Einschreiben in einen vollwertigen Studiengang statt lediglich einzelne Module zu absolvieren. Wie schon erwähnt, sind nach Herausbildung der Stärken der Teilnehmer einer Lerngruppe, diese schnell und sicher für einen langen Zeitraum gemeinsam effizienter zu nutzen.

Die Abschlussarbeit verlangte von mir am meisten Selbstdisziplin und Einhaltung von striktem Zeitmanagement ab. Doch war sie für mich auch die interessanteste Zeit innerhalb des Fernstudiums. So konnte ich endlich feststellen, ob sich die Jahre des Studierens gelohnt haben. Allerdings wäre es niemals so weit gekommen, wenn mein privater „Umweltschutz“ nicht funktioniert und mein Umfeld mich nicht unterstützt hätte. Daher möchte ich mich an dieser Stelle bei all denjenigen bedanken, die mir während der Erstellung dieser Arbeit zur Seite standen. Sehr angenehm fand ich die Möglichkeit der relativ freien Auswahl des Themas der Master-Thesis. Anders als meine Kommilitonen wählte ich ein Thema, das nicht auf meinem Erststudium aufbauen oder anknüpfen konnte. Und gerade darin lag für mich die Herausforderung. Mit dem „nur“ hier gelernten Wissen bewies ich, dass dieses Fernstudium sich vor einem Direktstudium nicht verstecken muss. Förderlich war hier ebenso die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Universität Rostock mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen. Einen speziellen Dank möchte ich Frau Bockholt und dem Studienteam aussprechen, welche(s) mich sozusagen auf dem Wege bis zur Übergabe der Urkunde begleitete und dazu beigetragen hat, dass meine Zeit in Rostock zu einer unvergesslichen persönlichen Bereicherung geworden ist. Sie erleichterten den Weg stets in fachlichen, technischen und auch persönlichen Dingen.

„Oben angekommen“ kann ich nun rückblickend allen Studierenden sagen, dass sie sich durchbeißen sollen. Allen Zögernden würde ich auf jeden Fall bei der Wahl zwischen mehreren Studienorten empfehlen, die Universität Rostock an einem Tag der offenen Tür oder in Form eines persönlichen Gespräches kennenzulernen. Es lohnt sich!

Doppelt hält besser. Mit dem Erwerb von Schlüsselkompetenzen zu einem höheren oder zusätzlichen Abschluss stehen mir und Ihnen vielfältige Möglichkeiten auf beruflicher und privater Ebene zur Verfügung. Denn Schlüsselqualifikationen ermöglichen es, flexibel auf unterschiedliche Anforderungen zu reagieren, eigenständig Probleme zu lösen und adäquat mit sachlichen Herausforderungen umzugehen. Viel Erfolg!

Nur derjenige, der sein Umfeld kennt, lernt es zu schätzen und somit auch dieses zu schützen.