Oliver Kosbadt

Mutig oder wahnsinnig?

Diese Frage habe ich mir nicht nur einmal gestellt, als ich mich entschlossen habe, 16 Jahre nach Abschluss meines ersten Studiums an der Berufsakademie Karlsruhe mit 41 Jahren noch einmal zu studieren. Schließlich hatte ich mich in den vergangenen Jahren als Mitarbeiter im öffentlichen Dienst beruflich konsolidiert, d.h. ich hatte mein festes Aufgabenfeld, das mir Spaß machte und mich auslastete. Aber der Reiz, etwas Neues auf einem ganz anderen Gebiet auszuprobieren, hat dann letztendlich doch überwogen.

Da ich als Ingenieur im Bereich Strahlenschutz fachlich zudem sehr eingleisig ausgerichtet war, habe ich das Studium im Bereich Umweltschutz auch als Chance gesehen, nicht nur meinen geistigen, sondern auch meinen fachlichen Horizont zu erweitern und bei meinem Arbeitgeber auch mal in anderen Fachbereichen eingesetzt zu werden als bisher. Schließlich entsprachen die Lehrinhalte dem kompletten Angebot an möglichen Aufgabenfeldern im Umweltministerium. Das Studium an der Universität Rostock bot zudem mehrere stichhaltige Vorteile. So war sowohl der Zeitraum von zwei Jahren als auch die finanzielle Belastung ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Studienorten, die für mich in Frage gekommen wären. Nicht zuletzt war Rostock als Studienort während der Präsenzphasen eine willkommene Abwechslung zum täglichen Wohn- und Arbeitsort, auch wenn das Wort „Fernstudium“ bei den durchzuführenden Reisen von Stuttgart nach Rostock seiner Bedeutung mehr als gerecht wurde. Wenn man sich für ein Fernstudium, besonders nach einer langen Phase des Nichtlernens, entscheidet, muss man sich allerdings über einige Dinge im Klaren sein, die man nicht unterschätzen sollte. So hat es mich gerade zu Beginn des Studiums einige Zeit gekostet, bis ich ein für mich passendes Lernkonzept überlegt und adaptiert hatte. Zudem muss man sich zu jeder Zeit des Studiums – auch wenn es insgesamt nur zwei Jahre dauert – in vielen privaten Belangen einschränken.

Aufgrund der Tatsache, dass jedes Modul an mich fachlich komplett neue Herausforderungen stellte, d.h. ich auf kein im Erststudium erworbenes Wissen zurückgreifen konnte, musste ich – vielleicht mehr als andere – sehr viel (Frei-)Zeit investieren. So lag mein Lernpensum auch an Wochenenden und im Urlaub bei durchschnittlich zwei bis drei Stunden am Tag. Letztendlich wurde dieser Einsatz durch gute Noten, einen insgesamt guten Abschluss im Jahr 2009 und schließlich durch die Bestätigung, diese Herausforderungen bewältigt zu haben, belohnt. Nicht zuletzt musste ich mich auch erst wieder an die besondere Situation von Klausuren gewöhnen, die mir vor allem unter zeitlichen Gesichtspunkten alles abverlangt hat.

Meiner Meinung nach sollte man sich aufgrund des zu leistenden Aufwands und der Einschränkungen, die zwangsläufig damit verbunden sind, nur dann für ein Fernstudium entscheiden, wenn man sich vollkommen sicher ist, die Sache geplant und strukturiert angeht und insbesondere auch die Familie dieses Vorhaben unterstützt. Mit dem notwendigen Einsatz kann man dieses Studium aber in der Regelzeit von zwei Jahren gut bewältigen, auch wenn die Fülle des Stoffes teilweise unüberwindlich scheint.

Alles in allem habe ich die Entscheidung für dieses Fernstudium aber nie bereut, sondern vielmehr die Gewissheit erlangt, schier unlösbare Aufgaben bewältigen zu können. Sicherlich gab es Phasen, die mir besonders schwer gefallen sind, aber insgesamt bleibt ein überaus positiver Gesamteindruck.

Absolvent im Fernstudium Umweltschutz 2009, Sachbearbeiter im Bereich Kernenergieüberwachung Umweltministerium Baden-Württemberg