Algen können Treibhausgas aufnehmen

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Dr. Wolfgang Ruth und Laborantin Sandra Klehn entlocken der Natur ihre Geheimnisse mit der Hilfe von extrem leistungsfähigen Analysengeräten, hier ein Hochdruck-Flüssigkeits-Chromatograph gekoppelt an ein Ionenfallenmassenspektrometer (Copyright: Universität Rostock / Thomas Rahr).

Wohl jeder Wissenschaftler würde sich wünschen, sich zum Ende seines Berufslebens mit einem international beachteten Ergebnis seiner Forschung in den Ruhestand verabschieden zu können. Dr. Wolfgang Ruth vom Institut für Chemie der Universität Rostock ist dies gemeinsam mit Rostocker Forscher-Kollegen der Biowissenschaften um Professor Ulf Karsten gelungen. Nach jahrelanger Kleinarbeit haben die Wissenschaftler herausgefunden, wann und unter welchen Bedingungen Algen aus der Atmosphäre Kohlendioxid entnehmen und den Speicherstoff Laminarin, einen Mehrfachzucker, herstellen. Können Algen also das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) entsorgen?

Die Rostocker Chemiker sind die ersten, die nachweisen konnten, dass Algen abhängig von der Jahreszeit unterschiedlich stark CO2 aus der Luft aufnehmen. So lasse sich genau abschätzen, zu welcher Jahreszeit wieviel CO2 aus der Atmosphäre „geschluckt“ werde. Diese Ergebnisse sind jetzt im international erscheinenden Journal of Applied Phycology sowie in einem Buchkapitel veröffentlicht worden.

„Die Konzentration des farb- und geruchslosen Kohlendioxids, das bei der Verbrennung von fossilen, kohlenstoffhaltigen Energieträgern – also Kohle, Öl und Erdgas – freigesetzt wird, steigt kontinuierlich“, sagt Dr. Ruth. „Und die Meere mit ihren Algen seien die größte Kohlendioxid-Senke der Welt“, unterstreicht der Rostocker Forscher. Deshalb sei das international ein Forschungs-Thema. „Um die Erderwärmung wenigstens noch halbwegs eindämmen zu können.“

In den Laboren des Instituts für Chemie der Uni Rostock werden Algen-Proben aus aller Welt untersucht. Von Südamerika bis Grönland. Diese bringen Biologen von ihren Expeditionen mit oder Forscher aus anderen Ländern schicken sie in die Labore der Rostocker Universität. Hier werden die Proben mit komplizierten Verfahren, wie beispielsweise der Massen-Spektrometrie an einem Ionenfallengerät sowie komplizierten Datensätzen auf bestimmte Inhaltsstoffe untersucht. Eine Arbeit, die nicht nur sehr spezielle Erkenntnisse erfordert, sondern auch viel Ausdauer und Präzision verlangt. „Wenn man einmal Chemiker ist, bleibt man es mit viel Neugierde ein Leben lang“, unterstreicht Wolfgang Ruth. Der 65-Jährige hat in Rostock studiert und promoviert und wirkt seit 39 Jahren an seiner Alma Mater, die in diesem Jahr ihr 600. Bestehen feiert.

„Wir konnten gemeinsam mit den Biowissenschaften sehr wichtige Meilensteine in der Analytischen Chemie legen“, konstatiert Wolfgang Ruth. „Das ist eine riesige Freude für uns“, sagt er und weist auf seine Laborantin Sandra Klehn. Diese habe perfekte Laborarbeit geleistet und wesentlich zum Forschungserfolg beigetragen. „Ohne penible Laborarbeit funktioniert nichts“, sagt Ruth.

Text: Wolfgang Thiel

Kontakt:
Dr. Wolfgang Ruth
Universität Rostock
Institut für Chemie - Technische Chemie
Tel.: +49 381 498-6453
E-Mail: wolfgang.ruthuni-rostockde

 

 

 

 

 

 

 


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