Der Duft der Zukunft

Pressemeldungen
Zukunft trifft Weisheit – Kuratorin Dr. Susanne Jaschko setzt auf wissenschaftlichen Entdeckergeist, die altgriechische Göttin Metis als Symbolfigur im Universitätshauptgebäude ist für ihren Scharfsinn bekannt. (Copyright: Joachim Kloock)
Plastik und Fische – wie viele dieser für die Meeresbewohner schädlichen Stoffe in den Fischen zu finden sind, kann in einem Workshop selbst herausgefunden werden. (Copyright: Kat Austen).
Ist es möglich, dass Mensch und Umwelt über Gerüche kommunizieren? Künstler, Wissenschaftler und das Unternehmen Symrise AG wollen dafür Antworten finden (Auf dem Foto Prof. Birgit Piechulla vom Institut für Biowissenschaften.). (Copyright: Universität Rostock/IT- und Medienzentrum).

Im 600. Jubiläumsjahr der ältesten Alma Mater des Ostseeraumes haben sich die Universität, die Stadt und die Kunsthalle Rostock Großes vorgenommen: gemeinsam einen Blick in die Zukunft zu werfen. Die Ausstellung „Experiment Zukunft“ und ihr umfangreiches Veranstaltungsprogramm werden die Kunsthalle für sechs Wochen mit künstlerischen und wissenschaftlichen Perspektiven auf die Zukunft füllen und ihre Besucher auffordern, sich kritisch und offen mit den außergewöhnlichen Experimenten und Ideen auseinanderzusetzen. Gegenwärtig laufen die Vorbereitungen für die Exposition der Berliner Kuratorin Dr. Susanne Jaschko, die am 23. März eröffnet wird, auf Hochtouren.
Für das Jubiläumsprojekt wurden internationale Künstler eingeladen, deren Arbeiten von wissenschaftlicher Forschung inspiriert sind und auf ihr basieren. In der Ausstellung werden 17 spektakuläre, zum Nachdenken und Mitmachen anregende Kunstprojekte, die zum Teil in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Rostock entstanden sind, präsentiert.

Welche Zukunft wollen wir?
„Sechs Wochen lang soll unser Ausstellungsexperiment Kunstschaffende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende und Bürger zusammenbringen, um in wahrscheinliche, mögliche und fiktionale Zukünfte zu blicken. In der Ausstellung werden die Besucherinnen und Besucher ermuntert, sich kontrovers und interaktiv mit den elementaren Zukunftsfragen unserer Zeit auseinanderzusetzen“, betont Universitätsrektor Professor Wolfgang Schareck. „Der Kuratorin Dr. Susanne Jaschko ist in Zusammenarbeit mit dem Direktor der Kunsthalle, Dr. Uwe Neumann, eine bislang einzigartige Verknüpfung von Wissenschaft, Kunst und Zukunftsräumen gelungen, die die Zuschauer begeistern wird“, ist der Rektor überzeugt.

Kochen wir zuhause demnächst mit solarem Wasserstoff? Stichwort Genetic Engineering – werden wir künftig Daten nicht digital, sondern im Erbgut von Organismen speichern? Wie wäre es, wenn wir in Zukunft neue Freunde und Partner nur über ihren Körperduft und gemeinsame Duftpräferenzen fänden? Welche Sinnesorgane könnten Meerestiere entwickeln, um den Klimawandel und die Meeresverschmutzung zu überleben? Werden wir in ferner Zukunft von einer künstlichen Intelligenz regiert? Dies sind nur einige der Fragen, die die ausgestellten Projekte aufwerfen und damit ethische und gesellschaftliche Normen sowie ökologische Modelle auf den Prüfstand stellen.

„Wir assoziieren mit dem Wort Experiment einen offenen Ausgang – etwas nur bedingt in seinem Resultat Bestimmbares, vielleicht auch etwas Spannendes, neugierig Machendes. Doch wollen wir tatsächlich, dass die Zukunft ein Experiment ist?“, fragt die Kuratorin Dr. Susanne Jaschko, eine international erfahrene Expertin für zeitgenössische Kunst, digitale Kultur und Art & Science.

„Die Ausstellung richtet diese Frage an seine Besucher in der Form von künstlerischen Projekten, die mithilfe von wissenschaftlichen Methoden, in Referenz zu wissenschaftlicher Erkenntnis oder in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern entstanden sind oder während der Ausstellung weitergeführt werden. So unterschiedlich beide Disziplinen Kunst und Wissenschaft auf den ersten Blick sind, so vereint sie das Experimentieren, Beobachten und Erkunden sowie ein originäres Interesse an einer Auseinandersetzung mit der Welt im Großen und im Kleinen“, so Jaschko.

In diesem Sinne ist „Experiment Zukunft“ mehr als nur eine Ausstellung. Das ambitionierte Projekt lädt alle ein, gemeinsam zu denken, zu reden, zu experimentieren und zu gestalten. Besucher können in interdisziplinären Workshops Zukunftstechniken wie Digitales Calligraffiti oder die Heimanalyse von Mikroplastik in Lebensmitteln erlernen. Im Rahmen des Diskursprogramms können Bürger an Themenabenden wie „Die Zukunft des Alterns“, „Energien für die Zukunft“ oder „Hybride Zukunft – Hybrider Mensch“ Forscher der Universität Rostock und Künstler nach ihren Untersuchungen, Prognosen und Vorstellungen von der Zukunft befragen und mit ihnen diskutieren. Im Ganzen kann so ein vielschichtiges, erweitertes und komplexes Bild von dem, was wir wissen und dem, was sein könnte, entstehen.

Gen-Botschaften, Sushi Roulette und ein Baum-Parfüm
Jedes der 17 Wissenschaftskunstprojekte eröffnet einen Ein- und Ausblick in ein eigenes Universum, das unsere Zukunft entscheidend beeinflusst. So gehen beispielsweise Margherita Pevere und Dr. Mirela Alistar mit Wissenschaftlern des Instituts für Experimentelle Gentherapie und Tumorforschung (IEGT) an der Universitätsmedizin Rostock der Frage nach, ob ein nichtmenschlicher Organismus die nostalgische Erinnerung eines Menschen in sich tragen und weitergeben kann? Was bedeutet es, eine Erinnerung mittels biotechnologischer Verfahren in eine DNS (Desoxyribonukleinsäure), also die Erbinformation eines Lebewesens, einzuschreiben? Könnte das daraus resultierende hybride Lebewesen dazu beitragen, unser Verständnis der komplexen Beziehung zwischen uns Menschen und anderen Organismen zu verbessern?
Kat Austen und Gjino Šutić beschäftigen sich in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) im Projekt Sushi Roulette mit den unsichtbaren und schwer zu erkennenden Auswirkungen der zunehmenden Verwendung von „versteckten“ Kunststoffen, die man nicht sehen kann, wie Mikroperlen, oder jene, die bislang nicht als umweltschädlich bezeichnet werden. 2015 entwickelten die Künstler Tests mit Haushaltschemikalien, mit denen Mikroplastik in Fischen analysiert werden kann. Diese Tests und die Anleitungen zum selbstständigen Durchführen der Analysen wurden im UR Institute Marine Lab in Dubrovnik (Kroatien) weiterentwickelt und auf Algen sowie Wasser-, Meeresfauna- und Sandproben erweitert und können in einem Workshop ausprobiert werden.
Ein besonderes Projekt der Künstlerin Agnes Meyer-Brandes entsteht in Kooperation mit dem Institut für Biowissenschaften an der Universität Rostock. Bekannt ist, dass Bäume über Gerüche mit ihrer Umwelt kommunizieren. Können wir Menschen also auch auf diese Art mit Bäumen interagieren? Um das herauszufinden, wird der Senior Perfumer von der Symrise AG, Marc vom Ende, aus den Duftstoffen einer Himalaya-Zeder in Rostock ein neues Parfüm kreieren. Mit Hilfe dieses Duftes soll es den Besuchern der Ausstellung möglich sein, mit der Zeder in der Kunsthalle zu kommunizieren. Wird das funktionieren? Das herauszufinden ist ab dem 23. März in der Rostocker Kunsthalle möglich. Dann laden alle 17 Ausstellungsprojekte zum Entdecken und Hinterfragen durch die Besucher ein.  

„Experiment Zukunft“, die erste große institutionelle Art & Science-Ausstellung in Deutschland, ist ein Gemeinschaftsprojekt der Universität Rostock mit der Hanse- und Universitätsstadt Rostock und der Kunsthalle Rostock im Rahmen des Doppeljubiläums. Im vergangenen Jahr hat Rostock das 800. Stadtjubiläum gefeiert. In diesen Jubiläumsreigen fügt sich auch die Kunsthalle ein, die vor 50 Jahren eröffnet worden ist. Die Ausstellung läuft bis zum 5. Mai. Auf der Internetseite experimentzukunft.de wird ab dem 25. Februar ausführlich über die Ausstellung, die einzelnen Projekte, Veranstaltungen und Workshops informiert.

Kontakt:

Kuratorin Experiment Zukunft: Dr. Susanne Jaschko
Tel.: +49 1577 190 24 90
sjsujaschkode
www.sujaschko.de

Kunsthalle Rostock
Direktor: Dr. Jörg-Uwe Neumann
Tel.: +49 381 381 7000
kunsthallerostockde
www.kunsthallerostock.de
www.facebook.com/kunsthallerostock

Universität Rostock
Projekt „Universitätsjubiläum“: Dr. Kristin Nölting
Tel.: +49 381 498-1027/-1030
jubilaeum2019uni-rostockde
www.facebook.com/600JahreUniRostock


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