Ein Leben für die Freiheit – der Rostocker Student Arno Esch wäre am 6. Februar 90 Jahre alt geworden

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Rektor der Universität Rostock Professor Wolfgang Schareck und Mitglieder des VERS sowie weitere Gäste beim Gedenken an Arno Esch (1928-1951) vor seiner Gedenktafel im Foyer des Arno-Esch-Hörsaales. Foto: Universität Rostock / Thomas Rahr
Portrait Arno Esch. Foto: Verein Ehemaliger Studenten Rostock (VERS)
Gedenktafel im Arno-Esch-Hörsaal der Universität Rostock. Foto: Universität Rostock / Thomas Rahr

Arno Esch war der führende Kopf einer demokratischen Widerstandsgruppe, die innerhalb der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDP) im Verborgenen eine Radikal-Soziale-Freiheitspartei in Rostock planten. Seine politischen Ziele gründeten in der Freiheit des Individuums, des Pazifismus, des Humanismus und des Föderalismus. Aus der Erfahrung der Hitlerdiktatur erkannten er und seine Mitstreiter die drohende Gefahr einer neuen Diktatur, die unter kommunistischen Vorzeichen fortsetzte, was man nach dem verlorenen Krieg und dem Sieg über den Hitlerfaschismus endgültig überwunden glaubte. Eschs politisches Konzept betonte die Freiheit des Individuums bei gleichzeitig sozialer Ausrichtung. Dieses verteidigte weder einen schrankenlosen Individualismus oder Wirtschaftsliberalismus spätkapitalistischer Ausprägung, noch befürwortete es einen Kollektivismus jedweder Art.

Den Machthabern in Mecklenburg-Vorpommern waren die demokratischen Bestrebungen der Esch-Gruppe natürlich ein Dorn im Auge. Im Oktober 1949 wurde der führende politische Kopf der LDP in der sowjetischen Besatzungszone mit 13 weiteren jungen liberalen Studenten verhaftet. Arno Esch wurde ohne rechtliche Grundlage – in der Sowjetunion gab es zum Zeitpunkt der Verhaftung keine Todesstrafe – unter dem haltlosen Vorwurf der „Konterrevolution“ nach monatelangen Folterverhören am 20. Juli 1950 vom Sowjetischen Militärtribunal in Schwerin und nach einem weiteren Prozess vor einem Militärgericht in Moskau am 26. Mai 1951 zum Tode verurteilt. Am 24. Juli 1951 ist er von einem Erschießungskommando des sowjetischen Geheimdienstes in Moskau hingerichtet worden. Das Unrechtsurteil an Arno Esch wurde vom Militärkollegium des Obersten Gerichtshofes der UdSSR erst am 19. Juli 1990 wieder aufgehoben. 

Die Universität Rostock erinnert zusammen mit Mitgliedern des VERS an einen der begabtesten Politiker der jüngeren Generation Nachkriegsdeutschlands.

Kurzbiografie Arno Esch
Arno Esch wurde am 6. Februar 1928 in Memel, dem heutigen Klaipėda, geboren. Er floh mit seiner Familie zum Ende des 2. Weltkrieges nach Mecklenburg, legte nach dem Ende des Krieges sein Abitur in Grevesmühlen ab und studierte ab 1946 an der Universität Rostock zunächst Politische Wissenschaften und später Jura. Seine Pläne, einmal Hochschullehrer für Verfassungsrecht zu werden, wurden durch die Verhaftung am 18. Oktober 1949 jäh beendet. Er wurde am 24. Juli 1951 in Moskau hingerichtet.

VERS
Der gemeinnützige Verband Ehemaliger Rostocker Studenten (VERS) hat es sich seit seiner Gründung in Tübingen 1957 zur Aufgabe gemacht, das Schicksal der vom Stalinismus und der SED verfolgten Rostocker Studenten aufzuklären. Im Zeitraum von 1945 bis 1955 wurden etwa 70 Studenten und Dozenten in Rostock verhaftet, die meisten davon wurden in Lager Sibiriens deportiert.

 

Kontakt:
Dr. Peter Möller
Verband Ehemaliger Rostocker Studenten (VERS)
Fleinsbachstr. 1/1
70771 Leinfelden-Echterdingen
E-Mail: info(at)vers(dot)org
http://www.vers-online.org


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