Erstmals: Nachwuchs-Förderpreis für junge Wissenschaftler geht an Geschwister - Akademische Festveranstaltung: 217 Forscher erhalten Promotionsurkunde

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Die Geschwister Maxi und Markus Kersten erhalten den Joachim-Jungius-Preis als erfolgreiche Nachwuchswissenschaftler (Copyright: Carsten Büttner/privat).
Dr. Doreen Brandt, Institut für Germanistik der Universität Rostock (Copyright: Universität Rostock/Julia Tetzke).
Dr. Anja Behrend, Heinrich-Schliemann-Institut für Altertumswissenschaften der Universität Rostock (Copyright: Universität Rostock/Julia Tetzke).
Dr. Maria Framke, Historisches Institut der Universität Rostock (Copyright: Universität Rostock/Julia Tetzke).

Die 30-jährige Maxi Kersten studierte in Rostock Medizin, promovierte an der Universitätsmedizin Rostock und ist derzeit dort in der Klinik und Poliklinik für Neurologie tätig, ihr zwei Jahre älterer Bruder Markus studierte ebenfalls in Rostock: Latein, Griechisch und Mathematik. Anschließend promovierte er in lateinischer Literaturwissenschaft. Die Geschwister wuchsen in Mecklenburg-Vorpommern auf, gingen gemeinsam zur Schule, studierten und promovierten nahezu zur gleichen Zeit an der Uni Rostock – beide mit Bestnote. Und nun werden sie am 6. Juli 2018 in der Akademischen Festveranstaltung der Fakultäten der Universität Rostock und der Gesellschaft der Förderer der Universität Rostock (GFUR) in der Universitätskirche gemeinsam geehrt. Maxi Kersten empfindet große Freude über den Preis „Ein bisschen aufgeregt bin ich schon“, sagt die junge Wissenschaftlerin vor dem Festakt. Sie hofft, genauso wie ihr Bruder, dass die Überraschung für die Eltern gelingt: „Die wissen nichts vom Preis“.

Maxi und Markus Kersten haben von der Schule bis zur Promotion wichtige Etappen gemeinsam zurückgelegt. „Wir haben uns immer konstruktiv ausgetauscht und unterstützt“, sagen unisono beide Akademiker.

„Die Zeiten, dass wir uns gegenseitig bei unseren Aufgaben helfen, sind natürlich vorbei. Aber bei den übergreifenden Fragen, die in Verbindung mit unserer Arbeit als Lehrer oder Arzt stehen, tauschen wir uns schon noch aus“, sagt Markus, der an einer Schweriner Schule sowie am Rostocker Heinrich Schliemann-Institut für Altertumswissenschaften unterrichtet. Ein paar Schnittstellen gebe es da schon, „nichts Spektakuläres, aber wir entdecken doch immer wieder etwas, was uns verbindet.“ Maxi ergänzt: „erst kürzlich habe ich ihm gesagt, er solle seinen Schülern einen Gruß von mir bestellen und sagen, dass ihren Gehirnen für ein erfolgreiches Lernen kaum etwas Besseres passieren kann als viele Vokabeltests zu schreiben“.

Die junge Ärztin hat sich in ihrer Doktorarbeit mit einer erst seit etwa zehn Jahren bekannten Enzephalitisform, der „Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis“ beschäftigt. Diese Erkrankung ist durch das Vorhandensein von Antikörpern gegen NMDA-Rezeptoren im Liquor und Serum der Patienten gekennzeichnet. Sie kann mit verschiedensten neurologischen, psychiatrischen aber auch vegetativen Symptomen einhergehen. So können beispielsweise bei den Patienten epileptische Anfälle auftreten, die Betroffenen können motorische oder kognitive Probleme entwickeln, nicht selten zeigen sie Zeichen einer Psychose. „Bisweilen kommt es aber auch zu Blutdruckkrisen, Atemproblemen, so dass eine intensivmedizinische Behandlung notwendig wird“, sagt Maxi Kersten. Sie hat sich mit den kognitiven Defiziten bei den Patienten genauer beschäftigt. Nach Injektion von Patientenliquor mit ebendiesen Antikörpern in Rattengehirne konnte sie in verhaltensbiologischen Untersuchungen zeigen, dass diese Tiere ein signifikant schlechteres Lernverhalten und ein erhöhtes Angstverhalten im Gegensatz zu Kontrolltieren zeigten – die Tiere zeigten Symptome, wie sie auch bei den Patienten mit dieser Enzephalitisform zu beobachten sind. So konnte Maxi Kersten wichtige phänotypische Aspekte der Erkrankung im entwickelten Tiermodell abbilden. „Das Thema der Arbeit ist von hohem klinischen Interesse und ist von Relevanz für eine Verbesserung des Verständnisses und der Behandlung einer seltenen Form der Immunenzephalitis“, urteilt Professor Oliver Hakenberg, Vorsitzender der Promotionskommission der Unimedizin Rostock.

„Markus Kersten ist es mit seiner Doktorarbeit gelungen, zu einem sehr zentralen Text der antiken Literatur wesentlich neue Fragen zu stellen und einschneidende neue Erkenntnisse zu gewinnen“, heißt es im Vorschlag zu dem Preis.

Das Bürgerkriegsgedicht des Lucan (39-65 n.Chr.), das in verstörender Weise das Zerbrechen von Demokratie und Zivilisation beschreibt und in abschreckenden Bildern darstellt, wie römische Bürger ihre Väter und Brüder ermorden, beschäftigt die Forschung seit langem. Besonders Lucans Umgang mit der literarischen Tradition der antiken Klassik stellt die Leser vor schwierige Fragen: Widerspricht Lucan seinen Vorgängern? Verhöhnt er ihre Moralität?

Markus Kersten konnte zeigen, dass Lucan sein Gedicht als Erzählung über die Rolle der Literatur in der Krise gestaltet: „Der Dichter führt seinem Publikum vor, wie Personen im Bürgerkrieg tragisch enden, weil sie ihre eigenen kulturellen Standards aufgeben, indem sie die kanonisierte Literatur ignorieren oder mutwillig missdeuten. Caesar, der skrupellose General, kommt damit sehr weit. Ist die literarische Kultur mit all ihren moralischen Ansprüchen am Ende also immer zu schwach? Lucan präsentiert seinen Lesern damit eine pathetische und unbequeme Frage: Wie würdet ihr es dann mit den Klassikern halten, die so wohlfeil gelobt werden können, aber in der Krise oft vergessen werden. Glaubt ihr daran, dass durch eure Anstrengung bessere Zeiten kommen werden, glaubt ihr, dass ihr Saatfelder dauerhaft davor bewahren könnt, wieder Schlachtfelder zu werden?“ In Kerstens Analyse ist Lucan der grimmige Verteidiger der Alternativlosigkeit des Idealismus.

Die Gesellschaft der Förderer der Universität Rostock e.V. (GFUR) zeichnet jährlich bis zu drei herausragende Dissertationen junger Wissenschaftler mit einem Joachim-Jungius-Förderpreis der Universität Rostock aus. Neben den Geschwistern Kersten erhält in diesem Jahr Dr. Doreen Brandt vom Institut für Germanistik den Förderpreis. Sie hält am 6. Juli in der Universitätskirche den Akademischen Festvortrag. Die junge Akademikerin habe eine Dissertationsschrift vorgelegt, die die Forschung künftig in die glückliche Lage versetzen werde, auf ein weiteres Standardwerk zu historisch-politischen Ereignisdichtungen zugreifen zu können. Darin sei eine bislang vernachlässigte Gruppe von Texten in wünschenswerter Weise editiert, urteilt ein Gutachter. Doreen Brandt hat sich einer hochinteressanten Form spätmittelalterlicher bzw. frühneuzeitlicher Literatur gewidmet, die von der frühen germanistischen Forschung des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts noch als „politisches Volkslied“ benannt wurde. In der neueren Forschungsdiskussion werden Bezeichnungen wie „politische Lyrik“ oder „politische Lieder und Sprüche“ vorgeschlagen.

Den mit insgesamt 3.000 Euro dotierten Förderpreis für Lehre teilen sich Dr. Maria Framke vom Historischen Institut und Dr. Anja Behrendt vom Heinrich Schliemann-Institut für Altertumswissenschaften. Beide Dozierende zeichnen sich nicht nur durch erstklassige Lehre, sondern auch durch herausragendes Engagement für die Belange der Studierenden aus.

Die Fachschaft Geschichte, die Dr. Maria Framke nominierte, hatte ihren Vorschlag dreifach begründet: Einmal vermittelt Maria Framke durch ihr Fachgebiet Südasien den Studierenden inhaltlich eine global erweiterte historische Perspektive. Ferner setzt sie sich als Studienberaterin für Bachelor und Master mit großem Engagement und individuell für die Belange der Studierenden ein. Und schließlich unterstützt sie aktiv die Qualitätsentwicklung in der Lehre, indem sie Grundlagenmodule neu konzipiert und u.a. dazu beiträgt, studentische Tutoren weiterzubilden.

Die Studenten von Dr. Anja Behrendt hatten sie für diese Auszeichnung für ihren Kurs „Lateinische Sprach- und Stilübungen“ vorgeschlagen, denn ihr ansteckender Enthusiasmus trage dazu bei, dass diese ansonsten oft anstrengende Lehrveranstaltung für ihre Zuhörer viel Freude bringt. Für jede Sitzung bereitet sie für die Studierenden hervorragende, kompakte Arbeitsmaterialien vor. Zu jeder Sitzung kontrolliert die Dozentin die Hausaufgaben der Studierenden und versieht sie mit individuellen Kommentaren. Mit Zwischenklausuren, kleinen Tests und Konsultationen bereitet sie ihre Studierenden optimal auf die Examina vor. Die Studierenden loben ihr hohes Einfühlungsvermögen.

Insgesamt erhalten 217 junge Wissenschaftler ihre Promotionsurkunden, die ihre Doktorarbeit in den letzten neun Monaten verteidigt haben. Im gleichen Zeitraum wurden 14 Forscher der Uni Rostock habilitiert. Text: Wolfgang Thiel

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.gfur.de/

Kontakt:
Presse- und Kommunikationsstelle
Universität Rostock
Tel.: +49 381 498-1012
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