Heute schon getwittert? - Forschungsprojekt zu Tweets der Hanse Sail Rostock

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Die Hotspots der Tweets decken sich sehr gut mit den Hauptorten des Hanse Sail-Geschehens 2018: dem Stadthafen, Warnemünde und Hohe Düne (Copyright: Universität Rostock).
Neben der Hanse Sail gab es bei den Tweets in den letzten 24 Stunden auch weitere diskutierte Themenkategorien (Copyright: Universität Rostock).

Ferdinand Vettermann, Doktorand an der Professur für Geodäsie und Geoinformatik der Universität Rostock, hat hierzu den „Twittermonitor Rostock“ entwickelt. Der Nachrichtendienst Twitter eignet sich besonders gut für solche Analysen, da die Information auf 280 Zeichen komprimiert ist und Nachrichten in hoher Frequenz geteilt werden (ca. 500 Mio. Nachrichten pro Tag weltweit). Jedoch besteht gerade im deutschsprachigen Raum das Problem, dass Twitter insgesamt weniger als in anderen entwickelten Ländern genutzt wird und der Anteil der Nachrichten, die mit Geokoordinaten hinterlegt sind, mit weniger als 1 Prozent sehr gering ist. Daher ist es für die Verortung von Informationen notwendig, Strategien zu entwickeln, wie die Ortsinformation dennoch abgeleitet werden kann. Dies kann beispielsweise aus dem Text direkt, über Nutzerinformationen und Informationen über die Zeitzone geschehen. Hierzu wird im Twittermonitor ein detailliertes Ortsnamensverzeichnis (ein sogenannter Gazetteer) aufgebaut. Der Gazetteer besteht aus vier Schichten, die sich der Skala nach von klein (Rostock als Ort) nach groß (Points of Interest wie der Leuchtturm Warnemünde) ordnen. Erstellt wurde der Gazetteer aus offenen Datenquellen wie Open Street Map (OSM), dem offenen Datenportal der Hansestadt Rostock opendata.hro sowie den Lagekarten der Hanse Sail.

Der Algorithmus versucht nun auf Basis des Nachrichtentextes, der Nutzerinformationen und eventuell verfügbarer Geokoordinaten über Textvergleichsalgorithmen, Verschneidungen mit anderen Daten und Entfernungsberechnungen jede Nachricht mit Bezug zu Rostock zu verorten und schließlich thematisch zu kategorisieren. Das Neuartige an dem hier vorgestellten Ansatz ist, dass die Lokalisationsinformation in naher Echtzeit mit einer Genauigkeit innerhalb einzelner Stadtviertel bereitgestellt und visualisiert wird. Zudem erfolgt eine Analyse nach Themenkategorien wodurch sich die Verteilung der Nachrichten auch im Kontext visualisieren lässt.

Seit dem Start der Hanse Sail am 9. August 2018 konnten so 674 Meldungen mit Bezug zur Hansestadt Rostock ausgewertet werden. Davon ließen sich 197 innerhalb des Stadtgebiets verorten. Veranschaulicht werden hierbei die Tweets der letzten 24 Stunden mit Bezug zur Hanse Sail (insgesamt 32). Die zu erkennenden Hotspots decken sich – trotz der nur kleinen Zahl an Tweets im Vergleich zum weltweiten Nachrichtenaufkommen – sehr gut mit den Hauptorten des Hanse Sail-Geschehens: dem Stadthafen, Warnemünde und Hohe Düne. Der weitere Hotspot im Hansaviertel ist als Nachwirkung des Fußballspiels vom FC Hansa gegen Wehen-Wiesbaden am Mittwoch zu interpretieren.

Der Themenbezug der Tweets zur Hanse Sail lässt sich auch gut identifizieren. Diese lauteten Rostock Hansesail, Wetter Rostock, Hanse Sail Freitag, Gefahr – Vorsicht, Stadthafen sowie Wehen Wiesbaden. Das Stichwort Gefahr – Vorsicht resultiert aus der Sturmwarnung, die am Donnerstag im Laufe des Tages ausgesprochen wurde. Neben der Hanse Sail gab es in den letzten 24 Stunden auch weitere diskutierte Themenkategorien, welche zum Teil direkten Bezug zur Hanse Sail (insbesondere die Thematik Sicherheit, welches das hohe Aufkommen an Sicherheitskräften kommuniziert) aufweisen.


Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Ralf Bill und M. Sc. Ferdinand Vettermann
Professur für Geodäsie und Geoinformatik
Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät (AUF)
Universität Rostock
Tel.: +49 381 498-3200 (Ralf Bill)
Tel.: +49 381 498-3472 (Ferdinand Vettermann)
ralf.bill(at)uni-rostock(dot)de
ferdinand.vettermann(at)uni-rostock(dot)de


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