Integration auf Akademisch – ein akademisches Integrationsprojekt zieht Bilanz

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Professorin Thusnelda Tivig, Leiterin des Akademischen Integrationsprojektes an der Universität Rostock während Ihrer Festrede (Copyright: Universität Rostock/Thomas Rahr).
Professorin Thusnelda Tivig (1. Reihe sitzend, zweite von links), Leiterin des Akademischen Integrationsprojektes an der Universität Rostock mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern (Copyright: Universität Rostock/Thomas Rahr).

Am 20. September 2015 startete das Akademische Integrationsprojekt für Syrische Flüchtlinge unter der Leitung von Professorin Thusnelda Tivig. Die Professorin, die an der Universität Rostock forscht und lehrt, hatte gemeinsam mit ihrem Kollegen Professor Rafael Weißbach, damals Studiendekan, die Idee zu dem Projekt. Neben Hilfsbereitschaft und Solidarität waren es die eigene Integrationserfahrung von Professorin Tivig und ihre Studien zum Fachkräftemangel, die das Vorhaben motivierten. Seither schreibt das Projekt Erfolgsgeschichte bei der Integration von akademisch vorgebildeten syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen.

Einer von vielen, die durch das Projekt die akademische Karriere fortsetzen konnten, ist der heute 27-Jährige Ali Alhamoud. Er hatte 2014 an der Universität Aleppo sein Bachelorstudium in Bauingenieurwesen abgeschlossen und gerade das Masterstudium aufgenommen, als er aus Syrien fliehen musste. Sein Traum, Professor für Konstruktion zu werden, schien mit einem Schlag zerstört. In Rostock tat er sich schwer mit der Sprache, auch weil er in Gedanken bei seiner Familie war, zu der er den Kontakt verloren hatte. Als die Verbindung zur Familien wiederhergestellt war, gelang ihm jedoch der Durchbruch: Er bestand die notwendige Deutsch-Zertifikatsprüfung und begann das Masterstudium Bauingenieurwesen an der Technische Universität Braunschweig. Heute lebt er in einem Mehrgenerationenhaus, ist Vollstipendiat der Hans-Böckler-Stiftung und hat auch privat sein Glück gefunden. Er ist mit Marah Abdulaal verlobt, ebenfalls eine Teilnehmerin des Akademischen Integrationsprojektes an der Universität Rostock.

Auch Marah Abdulaal musste aus Syrien fliehen. Sie hatte bereits zwei Jahre Medizin in Aleppo studiert, von denen ihr in Deutschland drei Semester anerkannt wurden. Sie kam mit ihrer gesamten Familie nach Rostock, weil ihr Vater Rostock in guter Erinnerung hatte. Vor drei Jahrzehnten hat er an der Universität Rostock seinen Doktor in Mathematik erworben. Seit einem Jahr setzt seine heute 22-Jährige Tochter Marah ihr Medizinstudium in Rostock fort.

Amjad Sawas kommt ebenfalls aus Aleppo, dort hatte er bereits ein Jahr Pharmazie studiert. Nach Rostock kam er eher durch Zufall, der sich für ihn aber als glücksbringend erwies. Als Teilnehmer des Akademischen Integrationsprojektes lernte Amjad Sawas mit großem Eifer und raschem Erfolg Deutsch. Ein Jahr später konnte er das Pharmaziestudium im Marburg neu aufnehmen, derzeit befindet er sich bereits im ersten Staatsexamen.

Gemeinsam mit rund 30 ehemaligen und laufenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde der Erfolg des Akademischen Integrationsprojektes gefeiert. Die Initiatoren Tivig und Weißbach zogen eine insgesamt sehr positive Bilanz und bedankten sich bei allen Förderern und Unterstützern des Akademischen Integrationsprojektes, das so lange fortgesetzt werden soll, wie es die personellen und finanziellen Ressourcen erlauben. Bewerberinnen und Bewerber kommen inzwischen aus allen Teilen Deutschlands. Die Nachfrage ist sehr groß, die Kapazitäten aber beschränkt, so dass nur wenige in das Akademische Integrationsprojekt aufgenommen werden können.

Weitere Informationen zum Akademischen Integrationsprojekt finden Sie unter https://www.wiwi.uni-rostock.de/akademisches-integrationsprojekt/kurzbeschreibung/.

Kontakt:
Prof. Dr. Thusnelda Tivig
Lehrstuhl für Wachstum und Konjunktur
Institut für Volkswirtschaftslehre
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät (WSF)
Universität Rostock
Tel.: +49 381 498-4465
tivig@uni-rostock.de


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