Mit Sanddorn gegen seltene Erbkrankheiten

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Manuel Gronbach begutachtet neues Probenmaterial (Copyright Universität Rostock / ITMZ).
Früchte des Sanddornstrauches (Hippophae rhamnoides) (Copyright: Universität Rostock / Technische Chemie).

Der Wunsch Chemie zu studieren hat Manuel Gronbach aus Schleswig-Holstein nach Rostock geführt. Dem Rostocker Chemiestudium seien gute Noten attestiert worden, begründet der heutige Doktorand am Lehrstuhl für Technische Chemie von Professor Udo Kragl die Wahl seines Studienortes. Schon während des Studiums hat der Nachwuchswissenschaftler bei seiner Masterarbeit mit Medizinern kooperiert. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist eine Rostocker Spezialität. Dazu ist vor über zehn Jahren die Interdisziplinäre Fakultät gegründet worden.

Seine Doktorarbeit verfasst Gronbach auf dem Gebiet der Wirkstoffanalyse zur Bekämpfung seltener Erbkrankheiten der Leber und der Bauspeicheldrüse. Die Zusammenarbeit mit der Medizin schätzt er besonders: „Am Anfang war es gar nicht einfach, miteinander ins Gespräch zu kommen. Da gab es auch Missverständnisse, aber jetzt läuft es richtig gut. Wir kommunizieren viel miteinander.“ Besonders freut ihn dabei, gemeinsam „an einer sinnvollen Fragestellung“ zu arbeiten, eben „Menschen mit seltenen, aber schweren Krankheiten zu helfen“.

Dazu analysiert der junge Wissenschaftler Stoffe aus Sanddornbeeren. Dem Sanddorn werden bekanntlich heilende Kräfte nachgesagt, dennoch sei nicht klar gewesen, dass die Beeren des Strauches die Forscher auf die richtige Fährte lenken würden. Aus der bisherigen Forschung wusste man, dass sogenannte Flavonoide, zu denen viele Blütenfarbstoffe gehören, dabei helfen, den ER-Stress zu reduzieren. „Der ER-Stress entsteht durch gehäufte Fehlfaltungen von Proteinen im endoplasmatischen Retikulum – das ist nahe dem Zellkern“, erklärt Manuel Gronbach. Nun käme es darauf an, aus der Reihe von flavonoidhaltigen Pflanzen diejenigen zu finden, auf die die erkrankten Zellen ansprechen. „Mit dem Sanddorn ist uns ein Volltreffer gelungen“, sagt der Nachwuchs-Chemiker Gronbach nicht ohne Stolz.

Damit begann aber erst die Fleißarbeit. Es galt Auszüge mit verschiedenen Lösungsmitteln aus dem Sanddorn herzustellen, um schließlich den entscheidenden Wirkstoff oder die Wirkstoffkombination zu finden. Man sei auf einer ganz heißen Spur. Die von Manuel Gronbach gewonnenen Extrakte des Sanddorns werden in der Universitätsmedizin Greifswald und Rostock in Zellversuchen erprobt. Jedes Mal, wenn ein Anruf von seinen Kolleginnen Jana Marielle Modenbach aus der Unimedizin Greifswald oder Christina Hund vom Albrecht-Kossel-Institut der Unimedizin Rostock komme, erwartet er die Ergebnisse der Zellexperimente mit Spannung.

Bis zu einer möglichen Therapie mit den gefundenen Sanddorn-Wirkstoffen ist es allerdings noch ein gutes Stück Arbeit. Gronbach jedenfalls ist fasziniert von den Möglichkeiten der modernen analytischen Chemie. Er kann sich vorstellen, der Forschung in diesem Feld treu zu bleiben.


Kontakt:
Manuel Gronbach
Universität Rostock
Lehrstuhl für Technische Chemie
Tel.: +49 381 498-6451
manuel.gronbachuni-rostockde


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