Der lange Weg zum Mecklenburgischen Klosterbuch

Philosophische Fakultät
Die zwei Bände des Werkes sind im Rostocker Hinstorff Verlag erschienen.
Professor Ernst Münch zeigt vor dem Rostocker Kloster zum Heiligen Kreuz stolz das Mecklenburgische Klosterbuch, das am 15. März in der Rostocker Uni-Kirche präsentiert wird. (Fotos: Universität Rostock/ Julia Tetzke

Was lange währt, wird endlich gut. Oder: der lange Weg zum Mecklenburgischen Klosterbuch. Über sieben Jahre haben mehr als 60 Autorinnen und Autoren und zahlreiche Kooperationspartner  daran mitgewirkt, über 20 Magister-, Master- und Staatsexamensarbeiten sind in Verbindung mit diesem Werk entstanden.  Am 15. März 2017 um 16 Uhr stellen Herausgeber und Verlag in der Rostocker Universitätskirche das „Mecklenburgische Klosterbuch“ vor.

Das Werk  beleuchtet die 43 Klöster und Stifte, Komtureien und Prioreien,  die zwischen dem 10. und 16. Jahrhundert in Mecklenburg gegründet wurden, systematisch, ausführlich und interdisziplinär.  Herausgegeben wurde das zweibändige  Buch  im Hinstorff  Verlag der Hansestadt Rostock.  Die zwei Bände tragen maßgeblich die Handschrift  von Professor Ernst Münch vom Historischen Institut der Universität Rostock, sowie die von Professor Wolfgang Huschner, Uni Leipzig,  Professor Wolfgang Eric Wagner, einst Wissenschaftler der Uni Rostock, jetzt Uni Münster und Dr. Cornelia Neustadt, ebenfalls Uni Leipzig.

„Den Autoren ist es hervorragend gelungen, die mecklenburgische Klosterlandschaft als integralen Bestandteil mecklenburgischer Geschichte im Mittelalter und ihrer Einbettung in überregionale Zusammenhänge darzustellen“, würdigt Rostocks Uni-Rektor Professor Wolfgang Schareck.  
Rostock sei immer schon ein wichtiges Zentrum auch der Klostergeschichte mit vielfältigen Beziehungen zur Landesuniversität, insbesondere zur Theologischen Fakultät gewesen. Der Rektor sieht das, wie er sagt,  gelungene Werk auch als einen „Beitrag zum Doppeljubiläum Stadt und Universität Rostock 2018 und 2019“.  Zudem würde die Klostergeschichte über den engeren Kreis der Fachleute hinaus für die Ausbildung und Festigung regionaler Identität bis hin zur systematischen Einbeziehung in den Tourismus und seine Routen künftig Bedeutung haben.  

In Schwerin ist das Klosterbuch  bereits vorgestellt worden und hat durchweg positive Resonanz  erhalten.  Dr. Andreas v. Maltzahn, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche mit Sitz in Schwerin, sagt:  „Ich freue mich sehr über das neue  Mecklenburgische Klosterbuch. Dieses gibt wissenschaftlich fundiert Auskunft über Klöster, Stifte, Kommenden und Prioreien. Es  leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Kultur- und Religionsgeschichte unseres Landes. Dass das religiöse und spirituelles Wirken der Klöster dabei eine wichtige Rolle spielt, freut mich besonders.“  

Die Klöster und Stifte Mecklenburgs waren über viele Jahrhunderte religiöse, wirtschaftliche und soziale Zentren der Region; von ihnen gingen prägende kulturelle Einflüsse aus, die noch heute ihre Auswirkungen haben. Die beiden Bände widmen sich neben allgemeinen Informationen wie Ordenszugehörigkeit und Topografie so wichtigen  Fragen, die nach  dem neuesten Forschungsstand beantwortet werden: Geschichte bis zur Säkularisation und Nachnutzung, Verfassungsordnung, Besitzgeschichte und Wirtschaftsordnung, religiöses und spirituelles Wirken, gesellschaftlicher Einfluss, Bau- und Kunstgeschichte, Siegel, Archivalien, Dokumentationen und gedruckte Quellen sowie weiterführende Literatur.

Eva Maria Buchholz, Leiterin des Hinstorff Verlages,  freut es, dass das zweibändige Werk  bei Wissenschaftlern und Studierenden, aber auch einer breiten kulturgeschichtlich interessierten Leserschaft auf Interesse stoße,  wie die bisherigen Verlaufszahlen belegen: „Von den 800 Exemplaren der ersten Auflage haben wir bereits fast 250 Stück verkauft – Neuauflage nicht ausgeschlossen“, sagt die Verlags-Chefin. Sie blickt zurück: „Als die Herausgeber vor acht Jahren auf den Hinstorff Verlag zukamen, haben wir uns gefreut, dass wir als Verlag mit regionalem Schwerpunkt das „Mecklenburgische Klosterbuch“ publizieren dürfen. Wir haben ja auch etliche andere Bücher zum Thema Klöster in unserem Programm“.

2012 sei das Buch dann zum ersten Mal „in unserem Katalog angekündigt - als einbändiges Werk mit 720 Seiten und 500 Abbildungen“. Daraus ist im Verlauf der weiteren interdisziplinären Forschungsarbeit ein Werk doppelten Umfangs geworden: So erschienen im November 2016 zwei Bände mit insgesamt 1424 Seiten und doppelt so vielen Abbildungen wie ursprünglich geplant. „Es ist für unseren Verlag ein nicht nur sehr bedeutendes, sondern – mit über sieben Kilogramm Gewicht – auch ein sehr gewichtiges Buch“.  Der Titel, der nun vorliege, sei das Standardwerk zum Thema „Klöster in Mecklenburg“.

Die erforderlichen Forschungen für das Handbuch und dessen Druck wurden durch Förderungen durch die  Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung sowie des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern möglich.

„Den geographischen Rahmen für das Mecklenburgische Klosterbuch bilden die politischen
Grenzen Mecklenburgs um 1500. Obwohl Mecklenburg zu diesem Zeitpunkt als ungeteiltes
Herzogtum existierte, war diese Landschaft im südwestlichen Ostseeraum während des Hoch- und
Spätmittelalters politisch immer durch verschiedene Herrschaften und landesherrliche
Linien geprägt. Die Spuren dieser Einflüsse manifestieren sich auch in der Ausformung der
mecklenburgischen Klosterlandschaft“, heißt es in einer Pressemitteilung des Hinstorff Verlages.
Das Ende der Klöster, Stifte, Kommenden und Prioreien in Mecklenburg lasse sich nicht auf ein konkretes Datum festlegen, da deren Aufhebung zu unterschiedlichen Zeitpunkten zwischen 1525 und dem Ende des 17. Jahrhunderts erfolgt sei.

Der Katalog der Klöster, Stifte, Kommenden und Prioreien in Mecklenburg, der in alphabetischer Reihenfolge nach den Namen der Standorte geordnet ist, bildet den Hauptteil des Klosterbuchs. Der erste Band umfasst die Standorte von Althof bis Ratzeburg, der zweite jene von Rehna bis Zarrentin.

Professor Ernst Münch als einer der Autoren ist einer der ganz wenigen Experten, der die Mecklenburgische Landesgeschichte bis in die Neuzeit auf den verschiedensten Gebieten vertritt und kennt wie kaum ein anderer. Das betrifft beispielsweise die Universitäts-und Stadtgeschichte genauso wie die Agrar- und allgemeine Landesgeschichte. „Einerseits gilt Mecklenburg-Vorpommern als unbekanntes Land“, sagt der 64-jährige gebürtige Rostocker Wissenschaftler. Andererseits seien beispielsweise die Städte Rostock und Wismar durch die Hanse und die Ostsee vielfältig mit der deutschen und europäischen Geschichte verflochten.

Bei Münch, der  Geschichte und Deutsch an der Uni Rostock studierte, später ein Forschungsstudium zur Wirtschaftsgeschichte bayerischer Klöster absolvierte, ist bei diesem Thema das „große Interesse geweckt worden für die Klostergeschichte und deren Wirtschaft“, wie er selbst sagt. Doch er hat ein weiteres Steckenpferd. Das ist die Mecklenburgische Agrargeschichte im Mittelalter. Mit diesem Thema habilitierte er sich 1987. 1998  wurde er zum Professor für mittelalterliche mecklenburgische Landesgeschichte  ernannt. Aus seiner Feder und der von Hartmut Schmied und Wolf Karge stammt das Buch „Geschichte Mecklenburgs“ Aber auch Rostocks Stadtgeschichte hat der Professor intensiv bearbeitet.  In der von  Dr. Karsten Schröder, dem Chef des Stadtarchivs, herausgegebenen Stadtgeschichte hat Münch den Zeitraum von den Anfängen bis in die Zeit von  1800 behandelt. 

Text: WOLFGANG THIEL


Kontakt:
Universität Rostock
Philosophische Fakultät
Historisches Institut
Prof. Dr. Ernst Münch
Tel: +49 381 498-2710
ernst.muench(at)uni-rostock(dot)de 


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