Volkskunde und Big Data

Das internationale Forschungsvorhaben „Intelligent Search Engine for Belief Legends (ISEBEL)“, an dem Wissenschaftler der Universität Rostock, des Meertens Instituut in Amsterdam, Niederlande, sowie der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA), USA, beteiligt sind, gehört zu den Gewinnern der Ausschreibung „Digging into Data Challange“ der transatlantischen Plattform. Die transatlantische Plattform ist ein Zusammenschluss von Forschungsförderern in Amerika und Europa, die transnationale Projekte in den Sozial- und Geisteswissenschaften fördern will. Der deutsche Partner in dieser Plattform ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Das Projekt wird in den kommenden drei Jahren gefördert. Von der Universität Rostock wirken das Institut für Volkskunde und das Institut für Informatik an dem interdisziplinären Vorhaben mit. Der englischsprachige Titel „Intelligent Search Engine for Belief Legends“ steht für die Analyse und Suche von Erzählüberlieferungen aus volkskundlichen Sammlungen bzw. Folklore Archives, die länderübergreifend verknüpft werden.  Zunächst geht es um den Bereich geglaubter Ausdrucksformen, besonders von Sagen und sagenähnlichen Erzählungen („belief legends“). Klassische Ansätze zur Motivforschung werden durch die Einbeziehung von kommunikativen Kontexten und Raumbezügen einer neuen Betrachtungsweise unterzogen. Erprobt werden innovative Methoden der Typisierung von „belief legends“, die auch gegenwärtige Erscheinungsformen einschließen. Zugleich bildet das Projekt den Auftakt, für Folklorearchive eine internationale virtuelle Umgebung zu schaffen, der sich später andere Länder anschließen werden.

Die Rostocker Forschergruppe um Dr. Christoph Schmitt vom Institut für Volkskunde und Dr. Holger Meyer vom Lehrstuhl für Datenbank- und Informationssysteme wird in dem geplanten Vorhaben ihre Erfahrungen, Methoden und Techniken aus einem anderen Großprojekt, dem Aufbau des digitalen Archivs WossiDiA, einbringen und weiterentwickeln. In ISEBEL sollen die Erzählüberlieferungen Wossidlos, die Sammlung des Dänen Evald Tang Kristensen in der „Dansk Folkemindesamling“ und die „Nederlandse Volksverhalenbank“ verglichen werden. Die im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert mit Mitteln und Methoden der sich zu dieser Zeit erst etablierenden Feldforschung aufgezeichneten Sammlungen erlauben eine vergleichende Untersuchung zur Produktion ethnografischen Wissens, wie mündliche Überlieferungen aufgezeichnet, klassifiziert und wie in Umlauf gebracht wurden.  

Wie und von wem werden Informationen weitergegeben? Wie werden sie beim Zuhörenden zu persönlichem und in der Menge zu kollektivem Wissen? Welchen Einfluss haben die soziale Stellung, die Bildung, der Beruf, das familiäre Umfeld oder die benutzte Sprache? Wie beeinflussen Erzählerinnen und Erzähler ihr Publikum? All dies hat Auswirkungen darauf, wie sich Gewissheit über Gesagtes herausbildet. Um solche Fragestellungen beantworten und die unterliegenden Abläufe besser verstehen zu können, wird ein Informationssystem aufgebaut, das die Inhalte und Strukturen der drei international bedeutsamen Sammlungen verknüpft und eine Suche nach wiederkehrenden Inhalten, Mustern und Strukturen erlaubt.  Dazu wird ein von den Rostocker Informatikern entwickeltes Hypergraph-Datenbanksystem herangezogen, das schon im digitalen Wossidlo-Archiv WossiDiA und seinen hochgradig vernetzen Strukturen erfolgreich eingesetzt wurde.

Ausführliche Meldung und Fotos.

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Heuer
Leiter der Kommission Öffentlichkeitsarbeit am Institut für Informatik der Universität Rostock,
Tel.: +49 381 498-7590
Fax: +49 381-498-7592
andreas.heuer(at)uni-rostock(dot)de
Web: http://www.informatik.uni-rostock.de/journalisten

Kontakt speziell für das ISEBEL-Projekt:

Dr. Christoph Schmitt
Institut für Volkskunde
Universität Rostock
Tel.: +49 381 498-1051
christoph.schmitt(at)uni-rostock(dot)de

Dr.-Ing. Holger Meyer
Lehrstuhl Datenbank- und Informationssysteme
Institut für Informatik
Universität Rostock
Tel.: +49 381 498-7597
holger.meyer(at)uni-rostock(dot)de


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