Professorinnenprogramm I 2009 - 2014

Dem Förderantrag der Universität Rostock wurde im Rahmen der Regelprofessur "Sprachbehindertenpädagogik und Sonderpädagogische Frühförderung", Neubesetzung mit Frau Prof. Dr. Tanja Jungmann, seitens des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erfolgreich zugestimmt. Somit gehört die Universität Rostock zu den Hochschulen, die sich im Jahr 2008 erfolgreich auf das Professorinnenprogramm beworben haben und eine finanzielle Unterstützung erhalten. Dank des Programms stehen der Universität in den Jahren 2009 bis 2014 rund 300.000 Euro zur Vefügung, die ausschließlich der Förderung von Frauen im wissenschaftlichen Bereich zuteil werden sollen. 

Die Idee der Gleichstellungsförderung verbunden mit dem Gedanken, einen Zuwachs von weiblichen Spitzenforscherinnen an deutschen Hochschulen zu verzeichnen, veranlasste Bund und Länder sowie das BMBF, das Professorinnenprogramm mit einem finanziellen Anreiz von bundesweit insgesamt 150 Millionen Euro zu initiieren. Ziel dieses Programms ist die langfristige Förderung von Wissenschaftlerinnen im Rahmen von Gleichstellungskonzepten an Hochschulen. Externe Gutachterinnen und Gutachter hatten dabei die Aufgabe, alle eingereichten Zielsetzungen auf durchgängige und verbindliche Strukturen zur nachhaltigen Verbesserung der Karriereaussichten für Wissenschaftlerinnen zu bewerten. Im Falle einer positiven Einschätzung ermöglichen die bewilligten Mittel Hochschulen und deren hoch qualifizierten Nachwuchswissenschaftlerinnen die Realisierung von zusätzlichen Projekten und bieten zudem Möglichkeiten personengebundener Unterstützung in Forschung, Entwicklung und Lehre. Darüber hinaus ist es bedeutend, nachhaltig weibliche Talente zu motivieren sowie eine Plattform mit positiven Impulsen hinsichtlich wissenschaftlicher Karrieren zu etablieren. Die Unterstützung durch das Professorinnenprogramm soll somit als dynamischer Anreiz für fortlaufende Entwicklung und stete Integration gleichstellungspolitischer Maßnahmen in den Hochschulalltag verstanden werden.

Seit April 2010 arbeitet die Universität Rostock an der Umsetzung gleichstellungspolitischer Maßnahmen sowie an der zweckmäßigen Verwendung der zugesprochenen Gelder für die gesamte Universität.

Die Kommission für Chancengleichheit und Vielfalt berät über alle Entscheidungen zur Vergabe der Mittel und erarbeitet Vorschläge für das Rektorat. Die Hochschulleitung entscheidet über die Vorschläge der Gleichstellungskommission.

 

Folgende gleichstellungsfördernde Maßnahmen werden in 2014 (bis zum 31.08.2014) umgesetzt:

1)  Hilfskraftmittel zur Unterstützung:

a)       der AG Gender Forschung: Die AG Gender Forschung fördert in besonderem Maße den Austausch zur Genderthematik. Die Kolloquien der AG kommen dabei einem großen Adressatenkreis zugute und tragen zu einem nachhaltigen Beitrag der Genderforschung an der Universität Rostock bei.

b)       wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, die Gleichstellungsarbeit leisten

c)      Frau Dr. Susi-Hilde Michael (Universitätsgeschichte): Frau Dr. Michael erforscht die Rechts- und Verfassungsgeschichte der Universität Rostock, vor allem die Grundlagenforschung der Geschichte der Universität Rostock in Vorbereitung zum Jubiläum 2019.

d)      Prorektorat für Internationales, Gleichstellung und Vielfaltsmanagement

 

2)  Vorlesung im interdisziplinären Wahlbereich „Einführung in die Gender Studies" (Dozentinnen: Andrea Bettels und Martina Winkelmann). Ziel dieser Vorlesung ist es, den Teilnehmerinnen einen Überblick der grundlegenden Theorien im Bereich feministische Theorie und Gender Studies zu geben. Die Veranstaltung ist so konzipiert, dass den Studen*innen nicht nur Konzepte und Debatten vermittelt werden, sondern ebenso Methoden zur Erschließung theoretischer Texte und deren Anwendung. Dank der Expertise der beiden Dozentinnen kann eine große Vielfalt von Themenbereichen, die von allgemeinen Prinzipien einer geschlechtergerechten Didaktik, entwicklungspsychologischen Fragestellungen von Alter und Sexualität, Gender Mainstreaming und Managing Diversity in Theorie und Praxis bis hinzu historischen, methodologischen und systematischen Perspektiven auf Gender und Queer Studies reichen, die Teilnehmerinnen bereichern.

 

3)  Gastvortrag Frau Prof. Dr. Doris Lucke (Universität Bonn) am 28. April 2014 „AlphaMänner und EvaEliten. Zur Unterrepräsentanz von Frauen in Spitzenpositionen“, in Zusammenarbeit mit dem AStA. Bekleidet eine Frau erst einen Posten, nachdem ein Mann darin gescheitert ist? Muss eine Frau "männlich" konnotierte Attributevorweisen, um in Führungspositionen zu gelangen? Die Referentin, Prof. Dr. Doris Mathilde Lucke (Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn) ist assoziierte Professorin im Netzwerk Frauen- und GeschlechterforschungNRW und für ihre Arbeit im Bereich Akzeptanzforschung und Geschlechtersoziologie bekannt. Im Votrag diskutiert sie die immer noch vorherrschende Unterrepräsentanz von Frauen in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Spitzenpositionen aus unterschiedlichen theoretischen Blickwinkeln.

    

4)  Courage School - Performance-Workshops: Performance Art versteht sich als situationsbezogene, handlungsbetonte und vergängliche Ausdrucksform, die Strategien vermittelt, mit denen die sozialen, gesellschaftlich konstruierten Geschlechtererfolgreich hinterfragt werden können. Dieser Workshop basiert auf den von der Gruppe La Pocha Nostra entwickelten Methoden, Gender-Identität zunächst körperlich und sprachlich zu artikulieren, um dann in einem zweiten Schritt diese kritisch zu hinterfragen. Hierbei wird es den Teilnehmerinnen ermöglicht, ihre eigenen Erfahrungen zu teilen, um dann gemeinsam an der Darstellung von Gender zu arbeiten. Dies führt zu einer grundsätzlich komplexen Aufarbeitung gegenwärtiger Debatten, da es in vielen alltäglichen und gerade in beruflichen Situationen eben oft auch um körperliche Darstellung und Performanz im öffentlichen Raum geht. Durch Performanz-, Yoga- und andere Übungen werden die Teilnehmerinnen für Köperstrategien sensibilisiert, indem mit verschiedenen Ausdrucksformen von Weiblichkeit gearbeitet wird, um dann bewusst mit diesen Formen umgehen zu können. In einem weiteren Schritt hilft vor allem die Körpergebundenheit der Performanz diese Identitätskonzepte zu erfahren und spielend zu hinterfragen.
Natalie Brewster Ngyuen ist eine Performance Künstlerin, Schauspielerin, Schriftstellerin und Musikerin aus Tucson, Arizona. Andrea Zittlau hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Rostock über und mit Performance Künstlern wie Guillermo Gomez Pena und der Gruppe La Pocha Nostra gearbeitet.
Der spannende Workshop richtet sich an Studentinnen, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Professorinnen der Universität Rostock.

10. bis 12.06.2014, jeweils von 10 bis 18 Uhr im Peter-Weiss-Haus

  

Folgende Maßnahmen wurden von 2010 bis 2013 umgesetzt:

  • Unterstützung der "AG Gender Forschung" mit einer zusätzlichen wissenschaftlichen Hilfskraft (2010 bis 2011)
  • Coaching für neuberufene Professorinnen und weibliche Führungskräfte
  • Einstellung studentischer und wissenschaftlicher Hilfskräfte für habilitierte Wissenschaftlerinnen und neuberufene Professorinnen
  • Anschubfinanzierung zur Erstellung von Anträgen der Forschungsförderung bei Drittmittelgebern und für Forschungsprojekte in Qualifikationsprozessen (Promotionen - Habilitationen bzw. Stipendiatenförderung) (Vergabe 2011, Vergabe 2012, Vergabe 2013)
  • Vergabe von Prämien aus dem FeMINa Frauenförderfonds (Ausschreibung 2013, Vergabe 2013)
  • Vergabe eines Habilitationsstipendiums an Frau Dr. Engel-Lutz (MEF) in Höhe von 1.500 Euro pro Monat
  • Unterstützung des Lehrstuhls für Soziologische Theorien und Theoriegeschichte an der Wirtschafts- und Soziawissenschaftlichen Fakultät mit vier zusätzlichen Hilfskräften für die Durchführung des Seminars "Grundlagen der Genderforschung und Queer Theory" im Sommersemester 2012
  • das Elisabeth-Bernhöft-Mentoring-Programm, das hochqualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen fördert, die eine Professur oder eine Leitungsposition in der Wissenschaft anstreben - das Programm ist bei der Gleichstellungsbeauftragten angesiedelt (Ausschreibung 2013)


Im Zuge der Personalentwicklung für Nachwuchswissenschaftlerinnen liegt es also langfristig im Ermessen der Universität Rostock gezielt wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und (Junior-) Professorinnen zu fördern, um den Prozess der Gleichstellung zu beschleunigen und die Anzahl der Frauen im wissenschaftlichen Bereich zu steigern.