Aktionstage gegen Antisemitismus

Vom 05.04. bis zum 25.04.2019 werden an der Universität Rostock erneut die Aktionstage gegen Antisemitismus veranstaltet. Die Stabsstelle Gleichstellung, Vielfalts- und Gesundheitsmanagement und der AStA wollen damit zu einer Hochschulkultur beitragen, in der Toleranz und Weltoffenheit unverzichtbare Werte sind. In Zeiten, in denen reaktionäre Bewegungen und Deutungskonzepte eine Renaissance erleben, möchten wir alle Hochschulangehörigen und Interessierten dazu animieren, sich mit antisemitischen Ressentiments auseinanderzusetzten. Insbesondere junge Menschen kennen Antisemitismus ausschließlich aus dem Schulunterricht und Geschichtsbüchern, dabei ist er auch heute noch salonfähig. Um nicht nur auf historische, sondern auch auf zeitgenössische Formen des Antisemitismus aufmerksam zu machen, reicht das Spektrum der diesjährigen Aktionstage gegen Antisemitismus von Vorträgen über Workshops und Stadtrundgängen bis hin zu einer Theateraufführung.

Programm

Einführungsworkshop: Was ist Antisemitismus?

05.04.2019 // 15:00 – 19:00 // Raum 219 // Ulmenstrasse 69, Haus 1

Ressentiments gegen Jüd*innen begegnen uns auf unterschiedliche Art und Weise: Sie reichen von religiösen und rassistischen Motiven über die Auseinandersetzung mit dem Holocaust bis zum Hass auf Israel. Aber was ist Antisemitismus eigentlich genau? Und warum fällt es uns manchmal schwer, ihn tatsächlich zu erkennen? Der Workshop erarbeitet einen gemeinsamen Antisemitismusbegriff, diskutiert an Beispielen aus der Gegenwart und entwickelt Handlungsoptionen gegen Antisemitismus.

Context. Bausteine für historische und politische Bildung e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Hauptsitz in Rostock, der für eine emanzipative und pluralistische Gesellschaft eintritt. Er gründete sich im Jahr 2011, um die kritische Auseinandersetzung mit Ideologien der Ungleichwertigkeit wie Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus in Geschichte und Gegenwart zu fördern.

Ausstellung (mit Führung): „Juden in Rostock. Einst und Jetzt“

09.04.2019 // 17:00 // Max-Samuel-Haus // Schillerplatz 10 // 5€

Die Ausstellung informiert über die jüdische Präsenz in der Geschichte und Gegenwart Rostocks. Dabei umfasst sie verschiedene Abschnitte und Möglichkeiten der Niederlassung von Jüdinnen und Juden in der Hansestadt. Neben der Führung kann sie selbstständig noch bis zum 18.04.2019 immer Dienstag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr besucht werden.

Das Max Samuel Haus sieht seine wichtigste Aufgabe in der Vermittlung von Wissen über jüdische Geschichte und Kultur, um damit Antisemitismus und Intoleranz wirksam zu bekämpfen. Für Interessierte gibt es im Haus eine öffentlich zugängliche Bibliothek mit besonderem Schwerpunkt zur jüdischen Geschichte.

Theaterstück: „Die Nacht vergeht“

09.04.2019 // 20:00 // Bühne 602 // 5 – 8 €

In der über das Europa in den Jahren 1936/37 immer deutlicher heraufziehenden Dunkelheit entfaltet sich eine zarte Liebesgeschichte zwischen Ruth und Kern, zwei jungen Menschen jüdischen Glaubens, die aus ihrer Heimat Deutschland fliehen mussten. Im Roman von Erich Maria Remarque, heißt es „Liebe deinen Nächsten“. Eben hier fanden die Darsteller*innen des Theaterstudios der Jüdischen Gemeinde Rostock viele Themen, die auch heute noch aktuell sind und Menschen berühren. Das Stück ist all jenen gewidmet, die in dieser dunklen Zeit auf ihr Gewissen hörten, ihr eigenes Leben riskierten, Jüd*innen halfen und daran glaubten, dass die Nacht vergehen wird.

Für Studierende der Universität Rostock stellt der AStA 50 Freikarten für die Theateraufführung bereit. Diese können entweder im AStA-Büro oder die Restposten an der Abendkasse in der Bühne 602 abgeholt werden.

Vortrag: Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus

15.04.2019 // 18:00 // Raum 023 // Ulmenstrasse 69, Haus 1

Der Antisemitismus ist in der Lage, unterschiedliche und zum Teil widersprüchliche Bilder von Jüdinnen und Juden zu vereinen. Er beinhaltet religiöse wie auch rassistische Elemente, bezieht sich auf den Holocaust wie auch die Politik des modernen Israel. Diese Vorstellungen entspringen einer langen Tradition der Judenfeindschaft, die bis in die Antike zurückreicht. Sie verraten nichts über tatsächliches jüdisches Leben, aber viel über Denken und Fühlen der nicht-jüdischen Mehrheitsgesellschaften. Dieser Entwicklung des Antisemitismus nachzugehen kann dazu beitragen, dessen Irrationalität verständlicher zu machen.

Context. Bausteine für historische und politische Bildung e.V.

Stadtrundgang: Jüdisches Leben in Rostock während des 2. Weltkrieges

17.04.2019 // 16:00 // vor dem Peter Weiss Haus // Doberaner Strasse 21

Der Stadtrundgang führt zu ausgewählten Gedenkorten und Mahnmalen, die im Zusammenhang mit jüdischem Leben in Rostock während des Nationalsozialismus stehen. Es werden  die (teils persönlichen) Geschichten hinter den Orten erkundet und historische Spuren in der Stadt Rostock sichtbar gemacht.

Soziale Bildung e. V. ist seit 2005 „staatlich anerkannte Einrichtung der Weiterbildung“ und seit 2009 „anerkannter Träger der freien Jugendhilfe“. Die Wirkungsschwerpunkte des Vereins liegen in den Themenfeldern Migration und Vielfalt, Globalisierung, Entwicklungspolitik, Erinnerungspolitik, Rechtsextremismus und Demokratiestärkung.

Ausstellung: „Juden in Rostock. Einst und Jetzt“ - Finissage

18.04.2019 // Max-Samuel-Haus // Schillerplatz 10

Zum Abschluss der Ausstellung organisiert das Max-Samuel Haus eine gesonderte Veranstaltung. Aktuelle Ankündigungen und mehr Informationen finden Sie hier.

Vortrag: „Mein Reich komme“?! – „Reichsbürger“, Souveränist*innen und wie sie die Welt erklären

25.04.2019 // 18:00 // Raum 023 // Ulmenstrasse 69, Haus 1

Deutschland sei weder frei, noch souverän, habe keinen Friedensvertrag und die Bundesrepublik agiere ohnehin nur als Gemeinschaft mit beschränkter Haftung… Solche und weitere kruden Behauptungen kursieren im Milieu der Souveränist*innen, zu denen auch die „Reichsbürger“ zählen. Sie vertreten ein stark vereinfachtes, scheinbar widerspruchsfreies Weltbild, das eindeutige Identitätsangebote liefert. Auf Basis einer antisemitischen Ideologie legitimieren Souveränist*innen nicht nur ihre Verweigerung demokratischen Prozessen gegenüber, sondern auch Gewalt und Ressentiments. Der Vortrag schlüsselt am Beispiel der Souveränist*innen auf, welche Funktionen Verschwörungsideologien erfüllen, welche Überschneidungen sie zum Antisemitismus aufweisen und über welche Handlungsoptionen die Zivilgesellschaft verfügt.

Melanie Hermann studierte Ethnologie und Geschichte und arbeitet derzeit bei der Amadeu Antonio Stiftung im Projekt „No World Order“. Dieses beschäftigt sich vor allem mit dem Zusammenhang zwischen Verschwörungsideologie und Antisemitismus. Souveränismus wird dabei als eine spezifische Form der Verschwörungsideologie verstanden. Die Amadeu Antonio Stiftung will eine demokratische Zivilgesellschaft stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet.

 

Für die freundliche Unterstützung und ihr Engagement bedanken wir uns bei unseren Kooperationspartner*innen

Kooperationspartner*innen bei den Aktionstagen gegen Antisemtismus
Kooperationspartner*innen bei den Aktionstagen gegen Antisemtismus: context e. V., Max Samuel Haus, Compagnie de Comédie, Theaterstudio der Jüdischen Gemeinde Rostock, Soziale Bildung e. V., Amadeu Antonio Stiftung

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die radikal-rechten Parteien oder Organisationen angehören, der rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtenden Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.