Betriebliche Suchtprävention und Suchthilfe an der Universität Rostock
Suchtmittelkonsum, vor allem Alkoholkonsum, wird in unserer Gesellschaft in allen Schichten und Altersgruppen akzeptiert. Kaum jemand macht sich über die Risiken Gedanken. Riskanter Konsum kann schleichend in eine Abhängigkeitserkrankung führen. Dies alles macht nicht vor den Eingangstüren der Universität Halt.
Sucht ist eine beschämte und eine beschämende Krankheit. Dies führt zum Verschweigen, Vertuschen und Banalisieren.
Die Universität Rostock möchte mit der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe diesem Trend entgegenwirken. Mit zwei ausgebildeten Ansprechpersonen Suchtprävention (BAS) möchte diese die Gesundheitsförderung der Beschäftigten unterstützen. Sie arbeiten auf der Grundlage der Dienstvereinbarung Sucht, die im Januar 2025 novelliert wurde.
Die Dienstvereinbarung zum Umgang mit suchtgefährdeten und suchtkranken Beschäftigten verfolgt das Ziel, Gesundheit, Sicherheit und Arbeitsfähigkeit zu fördern, frühzeitig Unterstützung anzubieten und Betroffene bei der Inanspruchnahme von Hilfsangeboten zu begleiten.
Die Beraterinnen stellen sich vor:
Kontakt:
Andrea Mellin: 01520 / 433 5210
Isabel Schicht: 01520 / 411 1379
suchtberatunguni-rostockde
Büro:
Am Waldessaum 23 b / Raum 05
18057 Rostock
Dienstleistungen:
- Wir beraten Fachvorgesetzte bei der Wahrnehmung ihrer Suchtpräventionsaufgaben und im Umgang mit Auffälligkeiten am Arbeitsplatz.
- Wir helfen Beschäftigten bei Sorgen und Problemen nahestehender Personen aus dem beruflichen oder privaten Umfeld hinsichtlich auffälligen Konsumverhaltens.
- Wir unterstützen Beschäftigte, die sich um die eigene Gesundheit Sorgen machen.
- Wir informieren rund um die Themen Sucht und Gesundheit.
Die Beratung ist vertraulich und unterliegt der Schweigepflicht.
Unser Motto: Ansprechen ist Hilfe. Man kann nichts falsch machen, außer man tut nichts
Suchtprobleme am Arbeitsplatz
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Kennen Sie eine Person in Ihrem Umfeld, um die Sie sich Sorgen machen und vermuten, dass dort ein Suchtproblem hinter stecken könnte? Sehen Sie manchmal erste Anzeichen, evt. auch an Ihrem Arbeitsplatz?
Es gibt typische Anhaltspunkte, wie z.B., dass die betroffene Person häufiger zu spät kommt oder früher geht. Meist reagiert sie überempfindlich auf Kritik und vergisst Termine. Im späteren Verlauf zeigen sich größere Konzentrationsstörungen und auch die körperliche Konstitution verfällt sichtlich oder wird übertrieben aufgepeppt. Oft verstecken sich solche Personen gerne im Homeoffice oder meiden den direkten Kontakt mit der Führungskraft.
Für Führungskräfte ist es dadurch schwer, Auffälligkeiten wahrzunehmen. Nehmen sie etwas wahr oder wird ein Verdacht an sie herangetragen, dann hindern oft Unsicherheit, Ängste und Verdrängung sie zum Handeln. Trotz allem haben sie eine Fürsorgepflicht für alle Mitarbeitenden.
Denn nicht nur der Betroffene leidet, auch die Mitbetroffenen werden auf Dauer in Mitleidenschaft gezogen. KollegInnen kompensieren gerne die fehlende Arbeitsleistung, dies führt irgendwann zu einer Überlastung, auch im psychischen Bereich. Es kommt zu einer falsch verstandenen Solidarität mit den Betroffenen, es entsteht Mitleid und es wird vertuscht oder heruntergespielt.
Das alles hilft dem Betroffenen und seinem Umfeld nicht weiter. Manche Betroffenen erzählen, dass neben aller Scham sie sich nicht wertgeschätzt gefühlt hätten, da alle weggesehen hätten. Deswegen ist ein gutes Ansprechen so wichtig. Dazu können Sie sich gerne bei den Betrieblichen Ansprechpersonen für Suchthilfe und Suchtprävention Unterstützung holen. Beim Betroffenen kann eine Suchterkrankung abgewendet werden oder es können Wege aus der Sucht aufgezeigt werden. Dem ganzen Team geht es wieder gut. Die Arbeitsatmosphäre ist in Ordnung.
Dazu möchten wir Ihnen Mut machen.
Ihre Ansprechpersonen der Betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe
Alkoholkonsum
Alkoholkonsum – Wann wird es kritisch?
Alkohol gehört für viele Menschen zum sozialen Leben dazu. Dennoch kann regelmäßiger oder übermäßiger Konsum gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Bereits Mengen, die oft als „normal“ wahrgenommen werden, können langfristig negative Auswirkungen auf Körper und Psyche haben.
Das dargestellte Schaubild zeigt, ab welchen Konsummengen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko besteht. Dabei gilt: Je häufiger und je mehr Alkohol konsumiert wird, desto größer ist das Risiko für Erkrankungen wie Leberschäden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verschiedene Krebsarten sowie psychische Belastungen.
Besonders wichtig ist es, den eigenen Alkoholkonsum regelmäßig zu reflektieren und auf Warnsignale wie Kontrollverlust, steigende Trinkmengen oder die Nutzung von Alkohol zur Stressbewältigung zu achten.
Ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol trägt dazu bei, die eigene Gesundheit und Leistungsfähigkeit langfristig zu erhalten. Bei Fragen oder Unterstützungsbedarf stehen Beratungs- und Gesundheitsangebote der Hochschule zur Verfügung.
Segen und Fluch in einer Hand
Mit digitaler Balance zu weniger digitalem Stress
Neben den vielen Vorteilen, die ein Smartphone bietet, wie z.B. unterwegs erreichbar zu sein, schnell an Informationen zu kommen und Termine auszumachen, kann es viel von unserer wertvollen Zeit binden und auch Stress auslösen.
Was löst digitalen Stress aus?
- ständige Erreichbarkeit
- Überflutung
- Technik ist manchmal unzuverlässig
- Technik ist manchmal schwer zu verstehen
- Verunsicherung durch neue Erfindungen (z.B. KI)
- Jobunsicherheit, wenn man nicht mit dem Fortschritt mithält
Was macht Smartphones so faszinierend?
Messengers, Gaming und Social Media und andere Apps sind darauf ausgelegt, Aufmerksamkeit zu binden. Jede Benachrichtigung, jedes Scrollen und jeder Like lösen kleine Belohnungsreaktionen im Gehirn aus und setzten Dopamin, ein Glückshormon, frei.
Der nächste Glücksmoment scheint am Handy also nur einen Wisch entfernt zu sein, es ist das gleiche Prinzip wie bei Glückspielautomaten.
Viele unserer Bedürfnisse werden durch den Medienkonsum gestillt. Wir fühlen uns verbunden und wahrgenommen, haben Erfolg und können Probleme lösen. Wir erhalten Anerkennung und Wertschätzung. Unser Streben nach Selbstwirksamkeit und Kreativität erhält Erfüllung.
Wie wirkt sich hoher Medienkonsum auf die Gesundheit aus?
- Müdigkeit durch Schlafmangel
- Probleme beim Einschlafen
- Gereiztheit
- Erschöpfung
- Konzentration und Sehkraft nimmt ab
- Rücken- und Kopfschmerzen
- Psychische Probleme, z.B. süchtiges Verhalten
Was kann ich tun, um mich davor zu schützen?
- Feste handyfreie Zeiten einplanen
- Das Smartphone mal bewusst zu Hause oder in der Tasche lassen
- Meine seelischen Bedürfnisse in Familie, bei und mit Freunden, auf Arbeit, in Hobbies oder Ehrenamt stillen
- Push-Nachrichten ausschalten
- Schwarz-Weiß-Modus aktivieren
- Armbanduhr nutzen
- Das Smartphone nicht mit ins Bett nehmen
- Das Smartphone beim Essen nicht in Reichweite haben
- Router programmieren, z.B. nach 22 Uhr aus
- Wenn es nicht mehr anders geht: Digital Detox, z.B. im Urlaub
Sucht und Suchtentstehung
Suchtgeschehen löst unser Mitgefühl aus. Wir fühlen uns oft hilflos. Es kommen Fragen auf.
Von Sucht spricht man, wenn das Verlangen nach einem bestimmten Verhalten oder Konsum so stark ist, dass es das Leben der betroffenen Person stark beeinträchtigt. Sucht kann sich auf verschiedene Arten äußern – sei es der Konsum von Substanzen wie Alkohol, Drogen oder Medikamenten, oder Verhaltensweisen wie Glücksspiele, Essen oder der Nutzung von digitalen Medien.
Charakteristisch für eine Sucht ist, dass die betroffene Person die Kontrolle über ihr Verhalten verliert und trotz negativer Konsequenzen nicht aufhören kann. Dies führt oft zu physischen, psychischen und sozialen Problemen. Sucht ist nicht einfach eine Schwäche des Willens, sondern eine ernsthafte Suchterkrankung, die das gesamte Leben beeinflussen kann.
Man spricht von drei Faktoren, die eine Suchterkrankung beeinflussen:
- Das Suchtmittel / Substanz: Art und Dauer des Gebrauchs, Aussehen und Geschmack, Verfügbarkeit
- Gesellschaft und Umwelt: Akzeptanz des Stoffes, strukturelle Bedingungen der Gesellschaft
- Die Person selbst: Erbanlagen, Persönlichkeitsstrukturen, eigene Erfahrungen
Sucht entsteht bei jedem Menschen anders und nicht plötzlich. Meistens braucht es eine längere Zeit.
Wir können uns vor einer Suchterkrankung schützen, indem wir darüber nachdenken und unser Verhalten reflektieren. Statt Suchtmittel zu konsumieren, kann man mal etwas Neues ausprobieren, um sich gut oder besser zu fühlen. Aber genauso kann es auch jeden treffen. Dann hat niemand die Schuld. Man braucht sich nicht zu schämen sondern kann sich Hilfe holen.
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