Rund 20 Personen kamen auf dem traditionsreichen Schiff im Rostocker Stadthafen zusammen, um Einblicke in ein außergewöhnliches studentisches Reise- und Forschungsprojekt im Rahmen der EU-CONEXUS Student Projects zu erhalten: Sail CONEXUS.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie aus einer studentischen Idee ein reales Forschungsprojekt werden kann. Das Vorhaben brachte Studierende aus Deutschland, Litauen und Kroatien zusammen und ermöglichte eine gemeinsame Segelreise über die Ostsee – verbunden mit praktischer Meeresforschung, Teamarbeit und internationalem Austausch.
Ein besonderes Highlight des Abends war die Demonstration auf dem Achterdeck: Dort konnten die Teilnehmenden selbst erleben, wie Umweltmessungen auf See funktionieren. Mit dem Open-Source-Messgerät HyFiVe, das bereits während der Segelreise im September 2025 eingesetzt wurde, wurden direkt vor Ort Temperatur, Salz- und Sauerstoffgehalt des Wassers gemessen. Für viele wurde so greifbar, wie Forschung auch außerhalb klassischer Labor- oder Forschungsschiffe stattfinden kann.
Im Gespräch berichtete Theobald Goltz, Initiator des Projekts und Student der Umweltingenieurwissenschaften an der Universität Rostock, von seinen Erfahrungen an Bord. Insgesamt waren 15 Studierende an der Reise beteiligt, jeweils rund zehn gleichzeitig auf dem Segelschiff UNIVERSITAS, das vom Akademischen Segler-Verein zu Rostock (ASVzR) gestellt wurde. Besonders prägend waren die intensiven Nachtmessungen, das enge Zusammenleben auf engem Raum und die Herausforderungen des Segelalltags – von Teamorganisation bis hin zu Seekrankheit. Diese Erfahrungen hätten die Gruppe nachhaltig zusammengeschweißt.
Auf die Frage aus dem Publikum, wie sich ein solch umfangreiches Projekt mit dem Studium vereinbaren lasse, erklärte Goltz offen, dass dies nicht immer einfach gewesen sei. Gleichzeitig habe das Projekt jedoch Erfahrungen ermöglicht, die weit über den akademischen Alltag hinausgehen – etwa internationale Zusammenarbeit und die praktische Umsetzung einer eigenen Projektidee.
Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Dr. Michael Naumann gab Einblicke in die Bedeutung langfristiger Umweltbeobachtungen in der Ostsee und erläuterte, warum kontinuierliche Messdaten entscheidend sind, um Veränderungen zu verstehen und Entwicklungen besser einordnen zu können. Temperatur-, Salz- und Sauerstoffmessungen liefern dabei wichtige Grundlagen für die Bewertung mariner Ökosysteme.
Dabei wurde auch der größere Kontext deutlich: Das Open-Source-System HyFiVe wurde so entwickelt, dass es nicht nur in der Forschung eingesetzt werden kann, sondern auch in Bereichen wie Fischerei oder Schifffahrt genutzt werden könnte. Dadurch lassen sich deutlich mehr Datenpunkte in kürzerer Zeit erfassen und wissenschaftliche Datengrundlagen erweitern.
Wie relevant solche Daten sein können, zeigte sich nur kurze Zeit nach der Segelreise: Im Herbst 2025 kam es vor der Rostocker Küste zu einem Fischsterben, das mit sauerstoffarmen Wasserschichten in Verbindung gebracht wurde. Solche Ereignisse verdeutlichen die Bedeutung kontinuierlicher Umweltbeobachtung in der Ostsee.
Die Veranstaltung fand im Rahmen der Europawochen statt und machte sichtbar, was europäische Zusammenarbeit im Hochschulkontext bedeutet: Studierende entwickeln gemeinsam Ideen, arbeiten international zusammen und gestalten Forschung aktiv mit.
Am Ende wurde deutlich: Sail CONEXUS war weit mehr als eine Segelreise. Es war ein Beispiel dafür, wie aus einer studentischen Idee ein internationales Forschungsprojekt entstehen kann – getragen von einer europäischen Hochschulcommunity, die Raum für solche Vorhaben schafft.
Autorin: Janine Marschner





