Wie kann die Schifffahrt ihre Treibhausgasemissionen deutlich senken – und welche Technologien sind bereits einsatzbereit? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der 9. Rostocker Großmotorentagung in der Yachthafenresidenz Hohe Düne. Die internationale Konferenz wird von der Universität Rostock und der FVTR GmbH veranstaltet.
Methanol, Ammoniak und Wasserstoff im Fokus
Alternative Kraftstoffe, innovative Verbrennungsverfahren und hybride Antriebe eröffnen neue Wege zu einer klimafreundlicheren Schifffahrt. Gleichzeitig rückt die Umrüstung bestehender Schiffe stärker in den Fokus. Denn neben neuen Antriebskonzepten sind auch Lösungen gefragt, die bereits heute Emissionen reduzieren können – etwa durch biobasierte Kraftstoffe und sogenannte Drop-in-Kraftstoffe, die in bestehenden Systemen eingesetzt werden können.
„Der Wechsel von fossilen zu klimaneutralen Kraftstoffen bleibt der zentrale Schlüssel für die Senkung der Treibhausgasemissionen und eine nachhaltige Schifffahrt der Zukunft“, sagt Professor Bert Buchholz, Leiter des Lehrstuhls für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren (LKV) der Universität Rostock. „Die schnelle Einführung nachhaltiger Schiffskraftstoffe, wie zum Beispiel grünes Methanol und grünes Ammoniak, erfordert erhebliche Anstrengungen in Forschung und Entwicklung, um zuverlässige, effiziente, umweltfreundliche und kostengünstige Antriebstechnologien für diese neuen Kraftstoffe zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.“
Forschung trifft industrielle Praxis
Das zweitägige Programm umfasst elf technische Sessions zu Themen wie Flotten-Retrofit, Methanol- und Ammoniakverbrennung, Einspritz- und Zündsystemen, Abgasnachbehandlung und hybriden Antrieben. Erstmals finden am zweiten Konferenztag parallele Sessions statt. Die Beiträge aus Deutschland und dem internationalen Umfeld zeigen, wie vielfältig die technischen Ansätze und wie hoch die Anforderungen an künftige Schiffsmotoren sind.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Ammoniak als möglichem Schiffskraftstoff der Zukunft. Das 2026 an der Universität Rostock gestartete Forschungsprojekt „INNO-COMP NH3 Shipping“ untersucht, wie sich der Ammoniakbetrieb auf hochbelastete Motorkomponenten, Werkstoffe, Schmierstoffe und Abgasnachbehandlungssysteme auswirkt. Ziel ist es, die Voraussetzungen für einen langfristig zuverlässigen Motorbetrieb weiterzuentwickeln.
Wachsende Anforderungen, offene Rahmenbedingungen
Mit FuelEU Maritime und dem europäischen Emissionshandel steigen die Anforderungen an die Dekarbonisierung der Schifffahrt. Zugleich bleibt die internationale Regulierung in Bewegung: Über einen weltweit einheitlichen Rahmen für die Reduzierung der Emissionen wird auf Ebene der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) weiter beraten. Für die Branche bedeutet das, technologische Lösungen voranzutreiben und zugleich wirtschaftliche und regulatorische Unsicherheiten zu berücksichtigen.
„Rostock hat sich als maritimer Forschungsstandort mit internationaler Sichtbarkeit etabliert. Insbesondere zu den Herausforderungen der maritimen Energiewende gibt es leistungsfähige Forschungsnetzwerke zwischen der Universität Rostock, den außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer IGP und forschungsstarken Unternehmen wie der FVTR GmbH. Insgesamt bietet die maritime Energiewende ein großes Potential für die maritime Wirtschaft in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern“, betont Professor Buchholz.
Seit 16 Jahren bringt die Rostocker Großmotorentagung Wissenschaft und Industrie zusammen. Ihr Ziel ist es, Forschungsergebnisse mit den Anforderungen der Praxis zu verbinden und den internationalen Austausch über die nächsten Schritte hin zu einer klimafreundlicheren Schifffahrt zu stärken.
Weitere Informationen: www.rgmt.de
Kontakt:
M. Sc. Jules Christopher Dinwoodie
Universität Rostock
Lehrstuhl für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren
Tel.: +49 381 498-9409
jules.dinwoodieuni-rostockde
www.lkv.uni-rostock.de
