Die Genregulation – also das An- und Abschalten von Genen zu verschiedenen Zeitpunkten und in verschiedenen Organen – sowie die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen haben sich im Laufe der Evolution stetig weiterentwickelt. Sogar eng verwandte Arten oder Unterarten, die miteinander lebensfähige, fruchtbare Hybrid-Nachkommen zeugen, können sich in ihrer Genregulation unterscheiden. Welche Folgen eine derartige Hybridisierung durch die Vermischung unterschiedlich evolvierter Genregulationsmechanismen hat, ist bislang noch weitgehend unerforscht. Der Evolutionsbiologe Alexander Brandt will mit Hilfe von im Mittelmeerraum beheimateten Stabschrecken der Gattung Bacillus nun Licht ins Dunkel bringen und eine Reihe ungelöster evolutionsbiologischer Fragen beantworten.
Dreh- und Angelpunkt des Vorhabens ist die Erzeugung von Hybridstabschrecken durch Kreuzungsexperimente im Labor und der Vergleich ihrer Genregulation mit der von natürlich entstandenen Hybridpopulationen. Bacillus-Stabschrecken eignen sich hervorragend als Modellorganismus. Zum einen, da Kreuzungen zwischen verschiedenen Bacillus-Linien, unabhängig von ihrem Verwandtschaftsgrad, lebensfähige Hybridnachkommen hervorbringen. Zum anderen existieren natürliche Hybridpopulationen von Bacillus, beispielsweise auf der Insel Sardinien und in Kampanien in der Nähe von Neapel. Zudem haben einige Bacillus-Hybride die sexuelle Fortpflanzung zugunsten einer Vielzahl alternativer Fortpflanzungsstrategien aufgegeben. Dies ermöglicht es die Evolution von Gen-regulatorischer Innovation unter verschiedenen Fortpflanzungsstrategien zu betrachten.
Alexander Brandt hat an der Universität Göttingen Ökologie und Evolution studiert und in Evolutionsbiologie promoviert. Von 2021 bis 2025 war er Marie-Skłodowska-Curie-Fellow und Postdoktorand bei der international renommierten Evolutionsbiologin Tanja Schwander am Institut für Ökologie und Evolution der Universität Lausanne (Schweiz). Seit März 2026 arbeitet Alexander Brandt als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Populationsgenetik an der Universität Rostock.
Professorin Mathilde Cordellier, Leiterin der Abteilung Populationsgenetik, freut sich sehr über den Erfolg. „Die Abteilung und das Institut für Biowissenschaften erfahren mit Herrn Brandt als erstem ERC-Gruppenleiter eine bedeutende Stärkung. Darüber hinaus hebt es das Institut und die Universität Rostock langfristig als attraktiven Standort für evolutions-genomische Grundlagenforschung heraus.“ Auch Professorin Nicole Wrage-Mönnig, Prorektorin für Forschung, Talententwicklung und Chancengleichheit gratulierte Alexander Brandt zu diesem Erfolg: „Ich freue mich sehr, dass Herr Brandt diese hochdotierte Förderung erhält. Damit wird ihm der Weg geebnet, seine Forschungsarbeiten auf ein neues Level zu heben.“
Der Europäische Forschungsrat fördert Spitzenforschung. Mit den ERC Starting Grants werden exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler am Beginn einer unabhängigen Karriere gefördert.
Kontakt:
Dr. Alexander Brandt
Universität Rostock
Institut für Biowissenschaften
Genetik – Populationsgenetik mit Schwerpunkt Biodiversitätsforschung
Tel.: +49 381 498-6023
alexander.brandtuni-rostockde

