Gesucht: Beobachtungen der Gottesanbeterin

Der erste Nachweis einer Gottesanbeterin 2011 in Silz. (Foto: W. Wranik).
Der erste Nachweis einer Gottesanbeterin 2011 in Silz. (Foto: W. Wranik).
An einem Stein angeklebtes Eipaket (Ooothek). (Foto: R. Ehrmann).
An einem Stein angeklebtes Eipaket (Ooothek). (Foto: R. Ehrmann).

Die in Südeuropa häufige Art war in ihrem Vorkommen bei uns lange auf wenige Regionen in Süddeutschland begrenzt, breitet sich aber, wahrscheinlich durch den Klimawandel begünstigt, seit Mitte der 1990er Jahre nach Norden aus. 2007 gab es einen ersten Nachweis im Land Brandenburg und in den Folgejahren bildeten sich dort an verschiedenen Orten lokale Bestände. 2011 wurde erstmals für MV der Fund eines Weibchens bei Silz gemeldet. Erst 2022 gab es dann zwei weitere Beobachtungen bei Malchin und in Neustrelitz. In den letzten drei Jahren ist die Zahl der Nachweise in unserem Bundesland aber bereits auf über 50 angestiegen. Die Fundstellen sind dabei über das ganze Land verteilt und auch in Rostock gab es eine Beobachtung in Evershagen und im Überseehafen. Problem ist aber, dass es sich bisher immer nur um Einzeltiere handelte. Sie saßen zudem zumeist an Orten, wo sie sehr auffällig waren, aber die nicht ihr eigentlicher Lebensraum sind, so z.B. an Gebäudewänden, auf Fußwegen, auf Parkplätzen und in einem Fall sogar in der Regionalbahn von Greifswald nach Stralsund. Woher und wie sie an diese jeweiligen Orte gelangt sind, das wissen wir nicht. Die ausgewachsenen Tiere sind zwar flugfähig, legen allerdings nur kurze Distanzen zurück. Das erlaubt aber dennoch eine schrittweise Ausbreitung. 

Neben einer Verdriftung durch starke Windereignisse ist immer auch ein Transport von Eipaketen oder Tieren unterschiedlicher Stadien durch menschliche Aktivitäten möglich. In dieser Hinsicht gilt die Gottesanbeterin als eine „verschleppungsfreundliche" Art. Ihr bevorzugter Lebensraum sind sonnige, trocken-warme Grasfluren mit Sträuchern und Stauden. Im Siedlungsbereich finden sie sich auch in Gärten und Brachflächen. Durch ihre Körperform und die grüne oder braune Färbung sowie ihr oft langes, regloses Verharren sind sie in der Vegetation aber perfekt getarnt und nur schwer zu entdecken. 

Es sind für den Menschen ungefährliche Lauerjäger, die sich räuberisch von anderen Insekten und Spinnen ernähren. Die bis 7,5 cm lang werdenden Tiere sind sehr leicht an ihrem dreieckigen Kopf und den mit Dornen besetzten Fangbeinen zu erkennen, die in Ruhehaltung gebetsartig erhoben und klappmesserartig eingeschlagenen sind. Durch dieses markante Aussehen eignet sich die Gottesanbeterin besonders für Citizen Science (Bürgerforschung), da sie durch einen breiten Kreis naturinteressierter Personen bei Spaziergängen, Gartenarbeit, Radfahren oder anderen Gelegenheiten entdeckt und erkannt werden kann. Derartige Beobachtungen wären für weitere Untersuchungen sehr wichtig, um die aktuelle Verbreitung der Art besser einzuordnen und um eventuell auf schon etablierte lokale Vorkommen zu stoßen. Zu diesem Zweck wurde über das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) in Güstrow ein Meldeportal für Beobachtungen der Gottesanbeterin eingerichtet (Meldeportal Arten - LUNG). Notwendig wären Angaben zum Fundort, wenn möglich mit Koordinaten, das Datum und die Fundumstände. Die Gottesanbeterin gehört zu den besonders geschützten Arten. Deshalb sollten Tiere nicht gefangen, aber möglichst fotografiert werden. Denn über ein Foto ist es möglich, Fehlbestimmungen auszuschließen und den Nachweis hinsichtlich Geschlecht, Entwicklungsstadium und Färbung genauer einzuordnen. Bei den ab August voll ausgebildeten Weibchen kann man an kleinen Löchern in den Flügeldecken mit Hilfe eines Fotos sogar erkennen, ob sie sich schon mit einem Männchen gepaart haben. Im Spätsommer und Herbst erfolgt die Eiablage in Form von 1 bis 3 Eipaketen (Ootheken), die vorzugsweise an harte Substrate angeklebt werden. Ein solches Eipaket ähnelt im Aussehen einer bräunlichen Masse Bauschaum und enthält 80 bis 250 Eikammern. Nach den ersten Frösten sterben die Tiere der diesjährigen Generation und nur die in ihrem Schaumnest gut geschützten Eier überdauern den Winter, bis im nächsten Jahr zwischen Mai und Juni die Nymphen der neuen Generation schlüpfen. Bis auf die fehlenden Flügel sehen diese wie fertige Fangschrecken aus und ernähren sich ebenfalls bereits räuberisch. 

Kontakt: 
Universität Rostock
Dr. Wolfgang Wranik (im Ruhestand) 
E-Mail: wolfgang.wranikuni-rostockde


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