Universität Rostock treibt autonome Schifffahrt voran: Innovative Forschung auf nationaler Bühne

Dr. Björn Kolewe präsentiert während der Fachkonferenz das Forschungsvorhaben ModularShipAssist 2 © Martin Kurowski, Universität Rostock
Dr. Robert Damerius erläutert während des Fachforums den Aufbau und die Funktion des entwickelten Automationssystems © Martin Kurowski, Universität Rostock

Im Zentrum der Aktivitäten des Lehrstuhls Regelungstechnik von der Universität Rostock standen der Forschungskatamaran „Bernhard Lampe“, der als maritime Testplattform für die Entwicklung und Erprobung autonomer Navigations- und Assistenzsysteme dient. „Auf dem Forschungskatamaran entwickeln und testen wir Verfahren für automatisches Navigieren, präzises Positionshalten sowie die sichere Erkennung von Hindernissen und Verkehrsteilnehmern“, erläutert Johannes Marx, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Regelungstechnik. Modernste Sensorik, einschließlich hochauflösender LiDAR-Systeme, ermöglicht dreidimensionale Abbildungen der Umgebung und liefert die Datenbasis für intelligente Navigations- und Entscheidungsalgorithmen.

Der Übergang vom Labor auf das Wasser ist eine zentrale Herausforderung. Schiffe sind äußeren Einflüssen wie Wind, Strömung und Wellen ausgesetzt – Effekte, die in kontrollierten Laborumgebungen kaum vollständig abbildbar sind. Deshalb erfolgen die Entwicklungen auf dem Forschungskatamaran auch unter realen Bedingungen auf der Warnow. Während der Demonstrationen wurden automatisierte Manöver, autonome Ausweichstrategien, Fernsteuerungskonzepte sowie automatisierte An- und Ablegevorgänge vorgestellt. Damit konnten die Forschenden eindrucksvoll zeigen, wie zukünftige maritime Verkehrssysteme sicherer und effizienter gestaltet werden können.

Ein besonderes Augenmerk lag auf dem Forschungsvorhaben „WarnowstromerAI“, das gemeinsam von der Rostocker Straßenbahn AG und der Universität Rostock getragen wird. Bei einer Demonstrationsfahrt auf der Personenfähre „Warnowstromer“ wurden aktuelle Entwicklungen direkt an Bord erläutert. Ziel ist die schrittweise Überführung der Forschungsergebnisse vom Katamaran in den regulären Fährbetrieb – mit Assistenz- und Automatisierungssystemen im täglichen Einsatz. „Die Überführung der Forschungsergebnisse in den Ganzjahresbetrieb wird unserer Forschung neue Impulse geben und die Entwicklung von der Assistenz zur Autonomie vorantreiben“, so Dr. Björn Kolewe.

Die Universität Rostock präsentiert sich damit als Innovationsstandort für maritime Technologien: Rund 80 Prozent des weltweiten Warenhandels laufen über Seewege, Rostock verfügt mit Hafeninfrastruktur und regulatorischen Einrichtungen über hervorragende Voraussetzungen. Parallel dazu schreiten regulatorische Entwicklungen voran: Der MASS-Code, der internationale Normen für automatisierte Schiffe setzt, tritt 2026 in Kraft und soll ab 2032 weltweit verbindlich werden. Die Forschenden des Lehrstuhls Regeleungstechnik arbeiten daran, Technologien sicher, robust und zuverlässig in den Alltag des Fährbetriebs zu integrieren.
Die Ergebnisse der Projekte DigitalSOW, ModularShipAssist, GALILEOnautic sowie WarnowstromerAI zeigen das breite Spektrum der regelungstechnischen Forschung an der Universität Rostock. Mit der fortlaufenden Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie und öffentlicher Hand soll die autonome Schifffahrt Europas sicherer, effizienter und nachhaltiger werden. Die Projekte zielen darauf ab, schon heute marktreife Anwendungsfelder zu identifizieren und diese schrittweise in den operativen Betrieb zu integrieren – vom Labor bis in den Hafen und darüber hinaus.

 

Kontakt:
Prof. Dr. Torsten Jeinsch
Universität Rostock
Lehrstuhl Regelungstechnik
Tel.: +49 381 498-7701 / -7704
torsten.jeinschuni-rostockde


 


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