Dr. Claus Dieter Heinze reichte im Jahr 1956 seine Diplomarbeit mit dem Titel „Exakte Kostenermittlung – Grundlage der Bewertung der unvollendeten Produktion – am Beispiel des Schiffsbaus in der DDR“ ein. Für seine Untersuchungen arbeitete er eng mit dem Finanzbuchhalter der Warnowwerft in Warnemünde zusammen und machte sich dabei nicht nur mit Fragen der Kostenermittlung, sondern auch mit den gesetzlichen Bewertungsrichtlinien für die unvollendete Produktion vertraut. In seiner Diplomarbeit übte Heinze Kritik an den damaligen Bewertungsrichtlinien der DDR. Er stellte fest, dass die Vielzahl an Halbheiten und Kannbestimmungen Manipulationen ermögliche und damit zum Schaden des Staatshaushalts genutzt werden könne. Diese Einschätzung sollte sich in späteren Jahren bestätigen.
1958 entzog die Universität Rostock Dr. Heinze den akademischen Grad. 2005 wurde diese Entscheidung aufgehoben und ihm der Grad erneut verliehen. Zugleich brachte die Universität ihr Bedauern über das ihm widerfahrene Unrecht zum Ausdruck.
Dr. Claus Dieter Heinze wurde 1934 auf Sumatra im heutigen Indonesien geboren und studierte in Leipzig und Rostock. 1957 floh er nach Hamburg und begann nach Zwischenstationen am 1. April 1959 seine Tätigkeit bei IBM Deutschland. 1975 erfolgte die Promotion mit einer Dissertation zum Thema „Aspekte der Integration des Computerunterstützten Unterrichts in die betriebliche Aus- und Weiterbildung“.
1990 setzt Dr. Heinze seine jahrzehntelange IBM-Tätigkeit in Dresden fort. Dort war er unter anderem für den Aufbau der ostdeutschen Zentrale der IBM Deutschland GmbH verantwortlich und engagierte sich maßgeblich für die Etablierung des größten ostdeutschen Ausbildungszentrums für die Konstruktionssoftware CATIA an der heutigen Westsächsischen Hochschule Zwickau.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben widmete sich Dr. Heinze zahlreichen kulturellen und gesellschaftlichen Projekten. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Wiederbelebung und Bewahrung des jüdischen Musiklebens in Deutschland. Als Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie Dresden setzte er sich über viele Jahre für die Aufführung und Finanzierung von Werken jüdischer Komponisten ein, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Für dieses herausragende Engagement wurde Dr. Claus Dieter Heinze 2023 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Anlässlich seines 70-jährigen Diplomjubiläums stiften Margret und Claus Dieter Heinze zudem einen mit insgesamt 2.000 Euro dotierten Preis für die beste Promotion an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in den Jahren 2025 und 2026. Die erste Auszeichnung wird am 6. Juli 2026 an Dr. Tobias Schütze verliehen. Er promovierte im Mai 2025 am Institut für Volkswirtschaftslehre mit der Dissertation „Essays on Behavioural Economics and the Psychology of Decision Making“.
„Mit der Verleihung des Diamantenen Diploms würdigen wir nicht nur die akademischen Leistungen von Dr. Claus Dieter Heinze, sondern auch seinen unabhängigen wissenschaftlichen Geist, seine beruflichen Verdienste und sein außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement“, erklärt Dekan Prof. Dr. Jörn Dosch. „Sein Lebensweg steht in besonderer Weise für Integrität, Verantwortung und die Bereitschaft, sich für Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft einzusetzen.“
Kontakt:
Prof. Dr. Jörn Dosch
Universität Rostock
Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät
Tel.: +49 381 498 4000 bzw. 4355
dekan.wsfuni-rostockde

