Eine Alleinerbin wird durch einen unerwünschten Freier in ihrer Burg belagert und an den Rand einer militärischen Niederlage gebracht. Die Übergabe von Leuten und Land würde zugleich die Zwangsheirat mit dem Usurpator bedeuten. Doch dieses Schicksal kann abgewendet werden, weil ein fremder Ritter, meist der Hauptheld der Geschichte, Partei für die bedrängte Landesherrin ergreift und den Aggressor besiegt. Aus Dankbarkeit heiratet die Herrscherin den Fremden; dieser gewinnt so Land und Titel.
Wolfram von Eschenbach realisiert dieses in der mittelalterlichen Literatur weit verbreitete Erzählmotiv in der Condwiramurs-Episode seines „Parzival“ auf eine Weise, dass er neben Parzivals männlichem Kampfesmut zugleich Condwiramurs weiblichen Widerstand und ihr Recht auf freie Gattenwahl betont. Wie ihm dies gelingt – gerade auch im Vergleich zu seiner Vorlage, Chrétiens de Troyes Fragment gebliebenem „Perceval“ –, will der Vortrag durch eine detaillierte kontrastive Lektüre von „Parzival“ und „Perceval“ aufzeigen.
Dr. Britta Bußmann hat an der Universität Münster Deutsche Philologie, Neuere und Neueste Geschichte sowie Kunstgeschichte studiert, sie wurde dort 2009 mit einer Arbeit zur Funktion von Ekphrasen in Albrechts „Jüngerem Titurel“ promoviert. Derzeit arbeitet sie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg als Lehrkraft für besondere Aufgaben im Bereich der Mediävistik und historischen Sprachwissenschaft. Seit November 2025 leitet sie zusammen mit Prof. Dr. Anja Becker (Universität Bremen) ein durch die Zentrale Forschungsförderung der Universität Bremen gefördertes Explorationsprojekt zu „Narrativen weiblichen Widerstands in deutscher Literatur des Mittelalters“.
Der Eintritt ist frei!
Kontakt:
Annika Bostelmann
Arbeitskreis mediävistischer NachwuchswissenschaftlerInnen
Universität Rostock
Institut für Germanistik, 18051 Rostock
E-Mail: annika.bostelmannuni-rostockde
