Es gibt Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die ihre Universität prägen. Und es gibt Persönlichkeiten, deren Denken weit über den akademischen Raum hinaus das geistige und kulturelle Leben einer Stadt beeinflusst. Peter Heidrich gehörte zu ihnen.
Als Theologe, Philosoph, Philologe und Sprachwissenschaftler war Peter Heidrich über Jahrzehnte eine der herausragenden Gelehrtenpersönlichkeiten der Universität Rostock. Von der Theologischen Fakultät aus entfaltete er eine außergewöhnliche Wirkung weit über die Grenzen seiner Disziplin hinaus.
Nicht wenige verbinden mit seinem Namen bis heute ein eindrucksvolles Bild: Mittwoch, 17.15 Uhr, Hörsaal 218. Seine legendären Mittwochsvorlesungen waren längst mehr als Lehrveranstaltungen. Studierende aller Fakultäten saßen neben Künstlerinnen und Künstlern, Musikerinnen und Musikern, Lehrenden sowie zahlreichen Rostockerinnen und Rostocker. Seine Vorlesungen gaben Raum für Begegnung und Austausch und trugen wesentlich zu jenem geistigen Klima bei, das das kulturelle Leben Rostocks über Jahrzehnte nachhaltig prägte.
Peter Heidrich war ein bedeutender Impulsgeber des kulturellen Lebens und Teil eines Netzwerks von Künstlern, Theaterleuten, Musikerinnen und Musikern, Wissenschaftlern und Intellektuellen, das die kulturelle Entwicklung Rostocks seit den 1980er-Jahren maßgeblich mitprägte. Sein Denken wirkte weit in die Stadtgesellschaft hinein und inspirierte zahlreiche kulturelle Initiativen.
Auch im Stadtbild hinterließ Peter Heidrich bleibende Spuren. Die Idee zur Bezeichnung der Gasse „Zur Himmelspforte“ geht auf ihn zurück und wurde von der Hanse- und Universitätsstadt Rostock offiziell aufgegriffen. Darin zeigt sich beispielhaft sein Verständnis von Sprache: Worte sollten nicht nur benennen, sondern Geschichte sichtbar machen, Identität stiften und einem Ort eine tiefere Bedeutung verleihen. Sprache war für ihn niemals bloß Mittel der Verständigung, sondern eine schöpferische Kraft, die Wirklichkeit erschließt und kulturelles Gedächtnis bewahrt.
Mit seinem Satz „Du musst Sprache nicht nur hören, sondern auch sehen.“ formulierte Peter Heidrich weit mehr als einen Gedanken über Sprache. Er brachte damit zum Ausdruck, dass Sprache als eine lebendige und kreative Kraft bewegt, die Erkenntnis fördert, Menschen verbindet, Horizonte erweitert und in die Gesellschaft hineinwirkt.
Das Universitätsprojekt „Das sichtbare Wort“ setzt dieses Erbe fort, indem es Wissenschaft und kulturelle Praxis stärker miteinander verknüpft und die Universität Rostock als Ort der gesellschaftlichen Auseinandersetzung sichtbar macht. Die Schirmherrschaft für das Projekt hat Bundespräsident a. D. Dr. h. c. Joachim Gauck übernommen, der selbst einer der Studenten Peter Heidrichs war.
Die Veranstaltung beginnt mit den verlesenen Grußworten der Rektorin der Universität Rostock, Prof. Dr. Elizabeth Prommer, sowie des Präsidenten der Rostocker Bürgerschaft, Dr. Heinrich Prophet.
Drei Gesprächsforen beleuchten Peter Heidrich als Wissenschaftler, akademischen Lehrer und geistigen Impulsgeber der Stadt. Moderiert wird die Veranstaltung gemeinsam vom Projektleiter Dr. Mathias Buß und Prof. Dr. Nikolaus Werz.
Der Rathaus-Talk versteht sich zugleich als Auftakt zu den kommenden Jubiläumsjahren 2027, dem 20. Todestag Peter Heidrichs, und 2029, seinem 100. Geburtstag.
Peter Heidrich hinterließ weit mehr als wissenschaftliche Veröffentlichungen oder unvergessene Vorlesungen. Er hinterließ eine Haltung: die Überzeugung, dass Wissenschaft ihre größte Kraft dort entfaltet, wo sie Menschen erreicht, zum Denken anregt und Brücken zwischen Universität und Gesellschaft baut.
Teilnehmende:
- Prof. Dr. Hermann Michael Niemann (Altes Testament u. Bibl. Archäologie, Universität Rostock)
- Prof. Dr. Nikolaus Werz (IPV, Universität Rostock),
- Dr. Sybille Bachmann (Prorektorin, Universität Rostock),
- Pastoren Karl Schultz, Markus Kiss und Frank Hamburger,
- Joachim Engster sowie Frank Ivemeyer (Kanzler der HMT Rostock).
Moderation: Dr. Mathias Buß (Projektleitung) und Prof. Dr. Nikolaus Werz
Die Gesprächsreihe UNIVERSITÄT IM RATHAUS wird von der Interdisziplinären Fakultät an der Universität Rostock gemeinsam mit der Hanse- und Universitätsstadt Rostock organisiert.
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