Gendersensible und diskriminierungsarme Sprache an der Universität Rostock
Bedeutung und Wirkung von Sprache
Sprache prägt unser Denken, unser Handeln und unser gesellschaftliches Miteinander. Sie bildet Wirklichkeit nicht nur ab, sondern gestaltet sie aktiv mit. Durch Worte entscheiden wir, wen wir sichtbar machen, wen wir ansprechen und wer sich angesprochen fühlt. Sprache kann Zugehörigkeit schaffen oder Ausgrenzung verstärken, Wertschätzung ausdrücken oder unbewusst stereotype Vorstellungen festigen.
Sprache wird im Alltag häufig als neutrales Kommunikationsmittel wahrgenommen. Tatsächlich ist sie jedoch ein normatives Instrument, das gesellschaftliche Werte, Machtverhältnisse und Strukturen widerspiegelt und mitgestaltet. Diskriminierung kann sich sowohl im Gesagten als auch im Ungesagten zeigen, etwa dann, wenn bestimmte Gruppen sprachlich nicht benannt werden oder unsichtbar bleiben. Ein bekanntes Beispiel ist das generische Maskulinum. Formen wie „Studenten“ oder „Mitarbeiter“ sollen zwar alle Menschen einschließen, Studien zeigen jedoch, dass sie vor allem männliche Bilder hervorrufen. Frauen sowie trans-, inter- und nicht-binäre Personen fühlen sich dadurch häufig weniger angesprochen oder repräsentiert. Diskriminierungsarme Sprache setzt genau hier an, indem sie bestehende Ausdrucksweisen reflektiert und Formulierungen wählt, die möglichst viele Menschen einschließen.
Sprache ist ebenso wandelbar wie gesellschaftliche Strukturen. Sie kann überholte Machtverhältnisse und Rollenbilder entweder verfestigen oder bewusst hinterfragen und verändern. Gendersensible Sprache verfolgt daher nicht nur das Ziel sprachlicher Neutralität, sondern macht die Vielfalt von Menschen aktiv sichtbar. Während die deutsche Sprache traditionell ein binäres Geschlechtersystem widerspiegelt, gehen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse von einer Vielzahl geschlechtlicher Identitäten aus. Gendersensible Sprache trägt dieser Realität Rechnung, indem sie alle Menschen sprachlich angemessen einbezieht und gleichwertig darstellt. Ziel ist es, Ausgrenzung zu vermeiden, stereotype Vorstellungen aufzubrechen und ein respektvolles, inklusives Miteinander zu fördern.
Geschlechtsbezogene Diskriminierung äußert sich häufig subtil. Sie kann sich darin zeigen, dass bestimmte Geschlechter unsichtbar gemacht, Leistungen übersehen oder stereotype Zuschreibungen reproduziert werden. Veraltete Rollenbilder, asymmetrische Formulierungen oder biologistische Argumentationen können dazu beitragen, Menschen auf ihr Geschlecht zu reduzieren, statt ihre Fähigkeiten und Qualifikationen in den Vordergrund zu stellen. Gendersensible Sprache wirkt solchen Mechanismen entgegen, indem sie bewusst auf Sichtbarkeit, Gleichwertigkeit und Vielfalt ausgerichtet ist.
Symbole für die Umsetzung gendersensibler Sprache
Zur Umsetzung gendersensibler Sprache existieren verschiedene Schreibweisen, die unterschiedliche Aspekte von Sichtbarkeit und Inklusion berücksichtigen.
Gendersternchen (*)
Beispiel: Dozentinnen*
Steht als Platzhalter für vielfältige Geschlechtsidentitäten und wird häufig als Symbol für Offenheit und Diversität verstanden.
Unterstrich (_)
Beispiel: Student_innen
Symbolisiert ein Geschlechterspektrum zwischen weiblich und männlich.
Gender-Doppelpunkt (: )
Beispiel: Beschäftigte:r
Gilt als vergleichsweise neue Form und wird oft als leser:innenfreundlich beschrieben, insbesondere im Kontext digitaler Barrierefreiheit.
Schrägstrich (/)
Beispiel: Mitarbeiter/in
Wird zunehmend kritisch gesehen, da meist nur binäre Geschlechter abgebildet werden.
Die Wahl einer konkreten Schreibweise wird in Wissenschaft und Gesellschaft weiterhin diskutiert, insbesondere im Hinblick auf Verständlichkeit, Akzeptanz und Barrierefreiheit.
Empfehlung der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten: Gendersternchen (*)
In dieser Debatte hat die Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen (bukof) am 07.06.2022 Stellung bezogen. In ihrer Auseinandersetzung mit der Frage „Doppelpunkt oder Sternchen?“ begrüßt sie grundsätzlich die zunehmende gesellschaftliche Verankerung gendersensibler Sprache, äußert sich jedoch kritisch zur wachsenden Verbreitung des Gender-Doppelpunkts. Häufig wird argumentiert, dieser sei barriereärmer, insbesondere für blinde oder sehbehinderte Menschen. Eine Studie der Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik aus dem Jahr 2021 zeigt jedoch, dass gängige Screenreader keinen relevanten Unterschied zwischen Sternchen und Doppelpunkt erkennen lassen. Auch der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband erkennt zwar die Bedeutung gendersensibler Sprache an, empfiehlt bei Verwendung von Sonderzeichen jedoch eher das Gendersternchen, da es bekannter und weiterverbreitet ist.
Aus Sicht der bukof hat sich das Gendersternchen historisch als eine Art Konsenszeichen entwickelt. Es wurde insbesondere von Communities selbst geprägt und steht symbolisch für Offenheit, Vielfalt und ein intersektionales Verständnis von Geschlecht. Die bukof betont zugleich, dass echte Inklusion nicht von einem einzelnen Satzzeichen abhängt. Barrierefreiheit erfordert strukturelle Lösungen, etwa die Weiterentwicklung technischer Hilfsmittel sowie eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Perspektiven betroffener Gruppen. Insgesamt plädiert die bukof für eine klare Sichtbarkeit von Geschlechtervielfalt und spricht sich – insbesondere im Kontext von Sonderzeichen – für das Gendersternchen als inklusives sprachliches Mittel aus.
(Quelle: Stellungnahme der bukof “Doppelpunkt oder Sternchen? Zur Frage der Barrierearmut einer gendersensiblen Sprache”, aufgerufen am 09.03.2026
Hinweise für Studierende und Beschäftigte der Universität Rostock
Mit der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt im Jahr 2009 verpflichtet sich die Universität Rostock ausdrücklich zur Förderung einer chancengerechten und diversitätssensiblen Hochschulkultur. Eine gendersensible und diskriminierungsarme Sprache ist ein wesentliches Instrument zur Umsetzung dieses Anspruchs. Sie trägt dazu bei, alle Mitglieder der Universität unabhängig von ihrem Geschlecht und ihrer geschlechtlicher Identität sichtbar zu machen und gleichberechtigt einzubeziehen. Dabei geht es nicht nur um geschriebene oder gesprochene Sprache, sondern auch um visuelle Darstellungen. Bildmaterial kann ebenso zur Reproduktion stereotyper Rollenbilder beitragen und sollte daher bewusst und diversitätssensibel gestaltet werden. Die Sensibilisierung für diskriminierungsarme Sprache ist zugleich eine präventive Maßnahme im Sinne der Schutzpflichten nach § 12 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) sowie Teil der Aufgaben nach § 3 Abs. 2 des Landeshochschulgesetzes Mecklenburg-Vorpommern.
Für den Hochschulalltag bedeutet gendersensible Sprache vor allem eine bewusste und reflektierte Kommunikationspraxis. Wichtig ist ein konsistenter Sprachgebrauch, der innerhalb eines Kontextes nachvollziehbar bleibt. Wo möglich, können geschlechtsneutrale Formulierungen wie „Studierende“, „Lehrende“ oder „Beschäftigte“ verwendet werden, um eine klare und inklusive Ansprache zu gewährleisten. Ebenso sollte gendersensible Sprache nicht nur im Schriftlichen, sondern auch im gesprochenen Wort berücksichtigt werden. Ziel ist es, eine Kommunikationskultur zu etablieren, die Vielfalt sichtbar macht und Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht und ihrer geschlechtlichen Identität respektvoll anspricht.
Handreichungen und weiterführende Literatur
- Übersicht der Universität Rostock „Unterstrich, Sternchen oder Doppelpunkt?“ (aktuell in Überarbeitung)
- Flyer der Universität Rostock “Diskiminierungsarme Sprache”
- Hinweise für einen diskriminierungsarmen Sprachgebrauch an der Universität Rostock
- bukof
- Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik
- Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband
Kontakt:
Dr. Heidrun Jander
Gleichstellungsbeauftragte der Universität Rostock
Tel.: +49 381 498-5743
gleichstellungsbeauftragte(at)uni-rostock.de
