
Differenzen als Erkenntnisquelle für die eigene Lehre
Dr. Jens Liebich | Institut für Germanistik | Universität Rostock
Das hochschuldidaktische Zertifikatsprogramm eröffnete mir einen Raum, in dem ich meine eigene Lehrpraxis nicht nur weiterentwickeln, sondern auch reflektieren konnte. In der universitären Lehre stellen sich Routinen schnell ein, nicht selten aus pragmatischen Gründen. Umso produktiver erschien es mir, diese Routinen gelegentlich zu irritieren: durch neue methodische Perspektiven, durch den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen und durch die gemeinsame Frage, was gute Lehre auszeichnet.
Besonders anregend war für mich der interdisziplinäre Charakter des Programms. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen anderer Fächer verdeutlichte mir, wie unterschiedlich Lehrsituationen gedacht und gestaltet werden können. Gerade diese Differenzen erwiesen sich für mich als erkenntnisreich, indem sie mir neue Lesarten meiner eigenen Lehrpraxis ermöglichten und zugleich vertraute Routinen als erklärungsbedürftig auswiesen. Ebenso schätzte ich die sehr herzliche und engagierte Betreuung des Programms. In den Workshops herrschte stets eine offene, angenehme Atmosphäre, in der man sich fachlich wie menschlich gut aufgehoben fühlte – nicht zuletzt förderten Kaffee und Kekse den Austausch.
Ich betrachtete das Programm nicht als bloße Weiterbildung, sondern vielmehr als eine Einladung, mein eigenes didaktisches Selbstverständnis immer wieder neu zu befragen – und genau darin lag bzw. liegt für mich der besondere Wert. Da die Entwicklung der eigenen Lehre zum Glück nie abgeschlossen ist, besuche ich auch nach dem Erhalt des Zertifikats weiterhin neue und für mich interessante Workshops.
