MARE BALTICUM FELLOWS AN DER UNIVERSITÄT


Im Zentrum des Mare Balticum Fellowship Programms steht die Förderung der Interdisziplinarität an der Universität Rostock. Über das Programm können jährlich mindestens vier Wissenschaftler*innen (sog. Fellows) für einen Gastaufenthalt von maximal drei Monaten an die Universität Rostock eingeladen werden (zur Ausschreibung).

Fellows bringen mit Ihrem Besuch nicht nur ihre wissenschaftliche Expertise mit an die Universität Rostock sondern tragen auch zur Auseinandersetzung mit Querschnittsthemen wie Interkulturalität, Interdisziplinarität sowie Diversität bei.

Insbesondere im Zusammenhang mit der Förderung von frühen Karrierephasen stellt der Kontakt zwischen Fellows und Wissenschaftler*innen ein wichtiges Element zur Entwicklung eines eigenen Kompetenzportfolios dar. Die Auseinandersetzung mit Querschnittsthemen befähigt dWissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen zur Herausarbeitung eines eigenen Bewusstseins für Chancen und Herausforderungen der jeweiligen Thematik. Die Wissenschaftler*innen erweitern ihren persönlichen Bezug zur situativen Bedeutsamkeit ihres eigenen Handelns und werden ermutigt über ihre eigenen Werte und Tugenden hinaus, auf konkrete situative Herausforderungen kompetenzorientiert zu reagieren. 


ROYS - Rostock Old Yiddish Summer School und Vortragsreihe erfolgreich zu Ende gegangen – Sammlung von Oluf Gerhard Tychsen der UB Rostock stand im Mittelpunkt

Mare-Balticum-Fellow Dr. Diana Matut

Mit insgesamt über 60 Teilnehmer*innen aus Deutschland, Israel, Italien, Frankreich, Großbritannien, Indien und den USA gingen Vortragsreihe und Summer School zum Altjiddischen im September 2021 zu Ende. Im Zentrum der Aufmerksamkeit standen die altjiddischen Werke, Lieder und Briefe der Sammlung des Rostocker Gelehrten Oluf Gerhard Tychsen, welche sich in der Universitätsbibliothek Rostock befindet.

Tychsen (1734-1815), bedeutender Orientalist, Hebraist und Bibliothekar, dessen lebenslange Beschäftigung mit jüdischer Kultur zum Aufbau einer umfassenden Privatbibliothek in diversen jüdischen Sprachen führte, hinterließ zudem eine beeindruckende Sammlung von Briefen. Er korrespondierte mit seinen jüdischen Zeitgenossen sowohl auf Deutsch, aber auch Hebräisch und Jiddisch. Seine Briefkonvolute sind unschätzbare Quellen der jüdischen Alltagsgeschichte im allgemeinen, und Mecklenburgs im besonderen.  

Die Rostocker Summer School widmete sich dem Erlernen der älteren jiddischen Sprache und eröffnete so Perspektiven, die Erschließung der Sammlung Tychsen im interdisziplinären Kontext von Geschichte, Germanistik, Musik-, Literatur- und Bibliothekswissenschaften sowie Jüdischen Studien vorantreiben zu können. Besonderer Focus lag auf den altjiddischen Liedern der Sammlung, die nicht nur ediert und inhaltlich erschlossen, sondern auf ihre historische Aufführungssituation und soziale Bedeutung hin untersucht wurden.

Die musikalische Dimension der Lieder, erhaltene Notationen und Melodienwandel sowie ihre teils immer noch andauernde Performanz im Kontext jüdischer Traditionen bildeten eine Brücke zu jüdischen Lebenswelten des 20. und 21. Jahrhunderts.

In der begleitenden abendlichen Vortragsserie stellten Wissenschaftler*innen aus Israel, Deutschland, Italien und Frankreich ausgewählte Werke der Sammlung Tychsen vor. Die Bedeutsamkeit der jiddischen Drucke und Manuskripte, bei denen es sich teils um die weltweit einzig erhaltenen Exemplare handelt, konnten so ideen-, text- und wirkungsgeschichtlich kontextualisiert werden.

Durch die sachkundige Unterstützung der Mitarbeiter*innen der Sondersammlungen der UB Rostock, allen voran Frau Heike Tröger, wurde die Sammlung selbst einem internationalen Publikum vorgestellt und besonders wertvolle jiddische Zeugnisse präsentiert.

Das Interesse am älteren und neueren Jiddischen sowie der jüdischen Kulturgeschichte kommt in Rostock damit nicht zum Erliegen, und eine Fortführung der Zusammenarbeit ist bereits für das Sommersemester 2022 geplant. Dann nämlich werden die jüdischen Purim- und christlichen Fastnachtlieder auf dem Programm stehen.


Redaktion